Mein Verleger ist schuld

„Du brauchst ein Blog“, sagt mein Verleger.
Er scheint zu vermuten, wer Romane schreiben kann, der kann auch zwanzig Zeilen Blog schreiben. Wahrscheinlich hat er sogar recht damit, und was tut man nicht alles für einen Menschen, der bereit ist, Geld in den ungewissen Erfolg des eigenen Buches zu investieren.
Das Buch heißt aktuell „Willkommen auf Aurora“ und enthält 16 oder 17 Science Fiction Erzählungen. Jedesmal, wenn ich nachzähle, komme ich auf eine andere Zahl. Ungefähr 16.5 also.
Es sind die Geschichten, die in den Wurdack-Anthologien der letzten Jahre keinen Platz gefunden haben. Nicht der Bodensatz. Manches passte thematisch gerade nicht („Wir brauchen eigentlich noch was Lustiges“), war zu lang („Wir haben noch ungefähr 20000 Zeichen frei“) oder zu kurz (…). Oder es war einfach zu viel. Der Bodensatz treibt sich tatsächlich noch auf der Festplatte herum.
An einer Stelle kam ich freilich ins Schleudern. Mein Verleger sagte: „Ich mache das in einem neuen Format. Da könnte ich 100000 Zeichen mehr gebrauchen.“ Ja, klar. Das ist ungefähr ein Viertelroman. Kein Problem. Aber nicht der Bodensatz. Statt dessen habe ich „Die Stadt in der Steppe“ herausgerückt, eine Erzählung, die eigentlich für den für irgendwann geplanten Novellenband gebunkert war. Es ist die Geschichte eines Mädchens, das nicht wirklich, aber doch beinahe Gedanken lesen kann. Eine verlockende Aussicht? Um die Heldin zu zitieren: „Was glauben Sie, wer sich alles für Gedankenleser interessiert?“
Inzwischen gibt es die erste Besprechung zum Buch auf phantastiknews.de, und Gunther Barnewald meint: „Wer gut geschriebene und ideenreiche SF mag, der sollte an diesem Band auf keinen Fall vorbeigehen.“ Das lässt man sich doch gern sagen.
Und natürlich ist das Buch auch die Ursache für den Titel dieses Blogs:
„Im bewohnten Teil der Galaxis schien fast alles Aurora zu heißen – Sonnen, Planeten, Asteroiden, Monde, Inseln, Städte, einzelne Häuser. Außerdem war es die Göttin der Morgenröte, also vermutlich ein Symbol für die Hoffnung. Morgenröte, das hörte sich so nett und neu und optimistisch an. Optimisten machten Stig unruhig. Und da war auch noch ein anderer Eintrag: ein Kriegsschiff, das einen Aufstand angeführt hatte. Das gefiel ihm noch weniger.“ Jetzt also ein Blog.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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