Parallelweltchen

Am Sonnabend fand in Jena der „SF-Treff im Parallelweltzelt“ statt. Leider weitgehend geheim. Initiator und Verleger Gerd-Michael Rose hatte wohl Angst vor der eigenen Courage und verzichtete fast völlig auf Öffentlichkeitsarbeit. Entsprechend waren die üblichen Verdächtigen da – und beinahe mehr Autoren als Gäste. Aber zur Not kaufen wir uns  gegenseitig ein paar Bücher ab.
Mit Frank W. Haubold war der diesjährige Kurd Laßwitz Preisträger da – Meerane ist ja gleich um die Ecke. Nachdem mich Frank in letzter Zeit vollgegrantelt hat, dass sowieso niemand seine Story „Am Ende der Reise“ zu würdigen weiß, bin ich beinahe schadenfroh, obwohl es natürlich kein Schaden ist, einen Preis zu bekommen.
Außerdem las der übliche Verdächtige Nr. 1, Wilko Müller. Wir treffen uns immer und überall. Seine Fräulein-Schmidt-Geschichte war recht kurzweilig – das Fräulein ist eine alte Inka-Göttin. Auch Peter Schünemann kenne ich schon. Er hat eindeutig eine kabarettistische Ader und las schöne, böse Kürzestgeschichten. Detlef Köhler kannte ich auch, aber das wurde mir erst bewusst, als ich ihn genauer ansah. Ja, der hat genau wie Wilko im gleichen Wohnheim wie ich gewohnt und Physik-Astro-Lehrer studiert. Wir waren im gleichen Jahrgang und müssen uns pausenlos über den Weg gelaufen sein. Dass da drei Möchtegern-SF-Autoren auf engstem Raum  zusammenhockten, haben wir damals nicht geahnt. Er schreibt ganz klassische Space Opera mit einem leicht politischen Einschlag – falls nicht der Astronom mit ihm durchgeht. Nur mit Axel Wolf kam ich gar nicht zurecht. Er nuschelt – und ich höre nicht so gut. Was auch immer er gelesen hat – ich habe nur Bruchstücke davon verstanden.
Und ich? Ich habe „Adina sehen und …“ und „Jakobs Leiter“ aus dem neuen Aurora-Band gelesen. Adina liest sich wie von selbst, aber in die zweite Geschichte habe ich unvorlesbare Stolpersteine eingebaut, etwa das Wort „vorstellar“. Das sah als Begriff für „vor der Raumfahrt im galaktischen Maßstab“ ziemlich logisch aus – und gerät beim Vorlesen zwangsläufig zu „vorstellbar“. Außerdem sollte man die Wasserflasche aufschrauben, ehe man einen trockenen Mund hat. Oder gleich zwischen den Texten einen Schluck trinken. Was ich theoretisch weiß und praktisch mal wieder vergessen habe.
Immerhin gelang es mir, zehn Bücher unter die lesende Menschheit zu bringen, und das ist nun nicht das Schlechteste. Was wäre gewesen, wären tatsächlich ein paar Jenaer Einwohner gekommen?

Zeitgleich ist in der „jungen Welt“ eine Rezension zu „Willkommen auf Aurora“ erschienen. Autor Gerd Bedszent sagt zum Buch „ein schön suberversiver Leckerbissen“. Inzwischen gibt es den kompletten Text auch für Nicht-Abonnenten: Zukunft der Subversion.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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3 Antworten zu Parallelweltchen

  1. Ernst Wurdack schreibt:

    Schau mal hier:

  2. Nina schreibt:

    Keine vernünftige Öffentlichkeitsarbeit ist sehr oft bei Fanveranstaltungen der Fall. Manchmal auch ohne es zu wollen, beispielsweise gibt es sehr viele Veranstalter, die es nicht schaffen, mal eine Adresse des Veranstaltungsortes anzugeben – so finden halt immer wieder dieselben Leute hin und anderswo drauf hinzuweisen macht man dann einfach mit so dürftigen Infos nicht. (Ich weiß da von der Eventdatenbank eines Online-Magazins ein Lied drauf zu singen – keine vernünftigen Infos, kein Eintrag. Fertig, aus.) Finde ich gerade schade bei Events, die ansonsten mit sehr viel Liebe organisiert wurden und wo die Besucher auch offentlichtlich Spaß haben.

  3. Heidrun Jänchen schreibt:

    Hallo Nina,
    ja, der normale Mensch hat irgendwie Probleme damit, sich selbst öffentlich anzupreisen … Am Ende kommen völlig fremde Leute??? Ich habe ehrlich Respekt vor Leuten, die Cons organisieren (auch wenn diese Veranstaltung ausdrücklich kein Con war, sondern sich nur so ähnlich anfühlte). Man lehnt sich schon weit aus dem Fenster damit. Und Jena ist bestimmt kein einfacher Ort für eine solche Veranstaltung – hier ist immer irgendwas los. Da sind die Leute schon irgendwie verwöhnt.
    Normalerweise läuft es in der Provinz viel besser. Kenne ich von früher – wenn auf dem Dorf irgendwas los ist, geht man hin. Wer weiß, wann wieder was los ist … Aber als es den Mulden-Con in Lunzenau (Provinz, tiefste, liebe Provinz in der nächsten Nähe meines heimischen Kuhdorfs) noch gab, ist trotz Werbung und Artikel in der Zeitung keine Menschenseele gekommen – nur die üblichen Verdächtigen aus Leipzig, Chemnitz, Dresden. Dabei hätte es sogar preiswert Kaffee und Kuchen gegeben!
    Na, beim nächsten Mal mache ich jedenfalls die PR-Guerilla in Jena und sehe zu, dass ich den Para-Con in die Medien bringe.

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