Niedrigere Normen für Kinder – warme Luft aus dem Familienministerium

Nein, es geht nicht um die DIN 08/15-1 „Kind weiblich“ und 08/15-2 „Kind männlich“, die genau definiert, wie ein deutsches Kind auszusehen hat. Das denn doch nicht.
Aber die Ahnungslose im Bundesfamilienministerium, Kristina Schröder, hat eine Ahnung befallen: Es könnte mit dem Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Kinder ab dem ersten Geburtstag knapp werden. Der gilt ab 1. August 2013. Wie er erreicht werden soll, weiß allerdings keiner. Obwohl dann theoretisch jedes Kind (bzw. seine Eltern) einen Kita-Platz beanspruchen könnte, hat man ohnehin nur einen Versorgungsgrad von 35 Prozent ins Auge gefasst. Aber selbst davon ist man noch meilenweit entfernt: Im Westen gibt es für gerade einmal 20 Prozent der Kinder Kita-Plätze, im Osten für rund 50 Prozent. Das ist nichts, worauf die ostdeutschen Landesregierungen stolz sein müssten – sie haben die Infrastruktur von der DDR geerbt und bauen ab, wo sie nur können.
Die CDU- und CSU-Parteifreunde in den Landesregierungen führen wie in Thüringen lieber ein Landeserziehungsgeld ein, um Kinder von den Kitas fernzuhalten und Frauen am Herd. Da bedurfte es schon eines Volksbegehrens, um erträgliche Relationen zwischen Kindern und Erzieherinnen herzustellen. Die Konservativen haben keine Lust auf Kitas, und auch Frau Schröder betreibt das Projekt, das sie von Ursula von der Leyen geerbt hat, eher widerwillig.
Darüber könnte man nachdenken. Man könnte ernsthaft Geld investieren – etwa die drei Milliarden Euro, die wir jährlich für den Krieg in Afghanistan ausgeben – und damit Kitas bauen und Erzieherinnen ausbilden. Nein, es geht nicht nur um Tagesmuttis, deren Qualifikation vor allem darin besteht, dass sie selbst drei Kinder haben. Kita-Erzieherin ist ein ordentlicher pädagogischer Beruf und nicht weniger anspruchsvoll als der der Grundschullehrer, sollen Kitas keine Verwahranstalten sein. Aber Frau Schröder macht sich lieber für ein Betreuungsgeld stark, um – wie in Thüringen – Frauen am Herd und Kinder zu Hause zu halten.
Jetzt hat sie in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine ganz neue Idee ausgebrütet: „Vielleicht müssen auch manche Normen, die nicht pädagogisch oder für die Sicherheit relevant sind, zeitweilig ausgesetzt oder abgesenkt werden, um zu erleichtern, dass Kitas rascher gebaut werden können.“
Man fragt sich, welche Normen nicht entweder auf die Sicherheit oder die pädagogische Qualität wirken. Beispiele bleibt die familienpolitische Blindgängerin schuldig. Weniger Platz für die Kinder? Weniger Betreuerinnen? Das hatten wir, und das ist pädagogisch verheerend. Es will einem nichts einfallen. Aber es klingt irgendwie gut, nach Bürokratieabbau und Flexibilität, so wie Seifenblasen ausgesprochen gut aussehen. Familienministerin Schröder ist die Seifenblasenmaschine der Republik.
Es ist eine schöne Vorstellung, alle unversorgten Eltern könnten ab August 2012 ihre Sprösslinge im Bundesfamilienministerium abgeben. Einen Versuch wäre es wert, damit Frau Ministerin mitkriegt, dass sie über real existierende, schreiende, krabbelnde und scheißende Erdenbürger daherschwafelt und nicht über irgendwelche geduldigen Planzahlen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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