Hallo Schufa!

Nein, eigentlich brauche ich gar keinen Kredit. Auch keinen Handy-Vertrag. Auf meinem Kreditkartenkonto dürfte sogar noch Guthaben herumdümpeln. Die Bank versucht regelmäßig, mir Geld aufzudrängen …
Trotzdem. Da versuchen Typen, aus dem Internet meine finanzielle Zuverlässigkeit abzuleiten, rein wissenschaftlich natürlich und völlig ergebnisoffen. Warum nur glaube ich das nicht? Die Schufa ist dafür bekannt, schon mal eine negative Auskunft zu geben, wenn man in der falschen Gegend wohnt. Vielleicht reicht auch schon der falsche Name. Kevin oder Jacqueline? Das sind doch diese Unterschichtsnamen – das gibt Punktabzug. Angeblich hat man von dem Projekt Abstand genommen, aber das Internet ist ja immer noch da, und die Schufa ist auch immer noch da, und dass sie in den letzten Tagen eine moralische Erleuchtung hatte, glaubt kein Mensch.
Also frage ich mich, was Artikel über Mönchsgrasmücken und Kleiber über meine Bonität sagen. Dass ich eine Meise habe? Ich schreibe Bücher. Das ist, wenn ich die Kollegen im Schriftstellerverband so ansehe, eher eine Profession für Hungerleider. Punktabzug. Aber ich laufe auch für einen guten Zweck beim Firmenlauf: soziales Engagement, Teamfähigkeit, Leistungsvermögen. Juppheidi, jetzt geht es aufwärts! Bekennender Atheist? Demo-Anmelder? Zusammen mit Kleiber und Physikstudium ergibt das den klassischen ökologisch orientierten Intellektuellen – eher ein Grund, mir Geld nachzuwerfen. Sieht aus, als hätte ich noch einmal Glück gehabt, sollte ich doch irgendwann einen Kredit haben wollen. Falls meine Nachbarn alle brav ihre Kredite bedienen. Und wie sieht es eigentlich aus mit der Bonität derer, die hier Kommentare hinterlassen? Na?
Von meiner persönlichen, fiktiven Bedürftigkeit abgesehen, ist die Aktion eigentlich ein Grund, die ganze Schufa als kriminelle Vereinigung zu verbieten – wegen Verstoßes gegen die informationelle Selbstbestimmung. Aber vermutlich wird es nur zum Big Brother Award reichen. Glückwunsch im Voraus!
Und nun noch etwas praktische Lebenshilfe: Nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz darf jeder Bürger einmal pro Jahr von der Schufa Auskunft über seine gespeicherten Daten verlangen. Wenn man es schriftlich macht, ist es kostenlos (bis auf die 55 ct für die Briefmarke). Elektronisch kostet. Ich schlage vor, wir machen der Schufa mal so richtig Arbeit und beantragen alle eine Datenauskunft. Den Antrag gibt es hier.
Wer seine Nase in meine Angelegenheiten steckt, der muss damit leben, einen Stüber auf selbige zu bekommen, natürlich streng im Rahmen von Recht und Gesetz.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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