Unglaubliche Begegnung der 3. Art: Elstercon 2

Nachdem die Katze aus dem offiziellen Sack ist, kann ich auch über den letzten Akt des Elstercon schreiben.

19:40
Die Teilnehmer der letzten Veranstaltung waren vom Saal direkt in Richtung Büffett gedriftet, ohne noch einmal in die Nähe der Büchertische zu kommen. Harald Giersche und ich, die letzten der Bücherverkäufer, gaben die Hoffnung auf, noch etwas loszuschlagen. Wir hätten einander höchstens gegenseitig noch ein Exemplar der „Prototypen“ verkaufen können, die wir beide dabei hatten.
Ich begann, Bücher in Kartons zu stapeln, was schwieriger ist, als es klingt. Wenn sie sich während des Transports bewegen können, wetzen sie sich ab – das muss vermieden werden. Und außerdem wollte ich einen leeren Karton zurücklassen.
Da sprach mich Uwe Post von hinten an: „Du, Heidrun, weißt du, wer den DSFP gewonnen hat?“
„Nö, woher sollte ich?“
„Wirklich nicht?“
„Nein.“
Als er weg war, setzte mein Denkvermögen ein. Uwe gehört zum Preiskomitee. Der hat keinen Grund, mich auszuholen. Warum fragte er so blöd? Ob vielleicht …? Vor drei Jahren hatte Karla Schmidt mit einer Story aus einem unserer Erzählungsbände gewonnen, und weil von der Redaktion keiner bescheid wusste, hatte sie zur Preisverleihung kein einziges Buch dabei. Damals brummelten wir ein wenig in Richtung des Komitees wegen der Geheimhaltungspolitik, denn nach der Preisverleihung setzt regelmäßig der Run auf die Bücher ein.
Ehe ich zu einem Schluss gekommen war, kam Uwe Post zurück, zusammen mit Matthias Kunkel und Eckhard Marwitz, wie er erklärte, „als offizielle Vertreter des Preiskomitees“. Grinsend über alle vier Backen erklärte er mir, dass ich den Deutschen Science Fiction Preis 2012 in der Kategorie „Beste Kurzgeschichte“ gewonnen hätte und schüttelte mir die Hand. Ich muss blöd geguckt haben, denn er stellte triumphierend fest: „Seht ihr, sie weiß es wirklich nicht!“ Und dann: „Nun freu dich doch mal!“
Die Hälfte meines Gehirns war immer noch beim Bücher-Tetris, mein Magen knurrte, und überhaupt konnte ich das nicht glauben. Ich habe ein Abo auf zweite Plätze. Ich habe andere Geschichten geschrieben, denen ich den Preis eher zugetraut hätte als der Satire „In der Freihandelszone“, die Sextourismus und Handelsabkommen zusammenkocht. So ernst war die gar nicht gemeint.
Das etwas konfuse Komitee stellte fest, dass Karsten Kruschel vor einiger Zeit den Con verlassen hatte – „Womit dann klar wäre, wer in der Roman-Kategorie gewonnen hat.“ Dem hatte ich das schon eher zugetraut. Obendrein habe ich sein „Galdäa“ lektoriert und ihm unter anderem eine Episode von etwa acht Seiten auf drei Sätze zusammengekürzt (was mir eine halbe Stunde Arbeit beim Korrekturlesen sparte …). In diesem Buch steckt von mir vermutlich nicht weniger Arbeit als in meiner Story, eher mehr. Für mich als Lektor ist es inzwischen der fünfte DSFP, dem ich auf die Sprünge geholfen habe. Irgendwie fällt es mir leichter, darauf stolz zu sein, vielleicht weil es solide, harte Arbeit ist, die nichts mit Eingebungen zu tun hat, sondern mit dem Duden und manchmal sogar mit dem Taschenrechner.
Es folgte eine längere Debatte über den DSFP an sich, die Einführung einer Novellen-Kategorie, Interna aus der Komitee-Arbeit und das Leben als solches. Zumindest verstand ich endlich, warum ich nicht recht begriffen hatte, was Ecki Marwitz am Morgen eigentlich von mir gewollt hatte. Er hatte heftig auf mich eingeredet, weil er glaubte, ich wisse …, und in meinem Gehirn war ein Fragezeichen nach dem anderen aufgestiegen.
Erst am Sonntag traf die hochoffizielle e-Mail ein. Jetzt kann ich mir überlegen, was ich zur Preisverleihung sage, wenn mir alle zuhören. Was ich mit dem Preisgeld anfange. Wie ich nach Kiel komme. Was ich da vorlese. Und so. Ach ja, und ich muss „Emotio“-Exemplare nachbestellen, denn meine sind ja alle.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Unglaubliche Begegnung der 3. Art: Elstercon 2

  1. flatart schreibt:

    Hallo Heidrun,

    meinen Glückwunsch zum Preis. Ich hatte neben Space rocks, den Prototypen auch Emotio gelesen und damit einen Großteil der nominierten Stories. Deine war von Anfang an mein Favorit. Ich freue mich, dass die Jury es ebenso sah und die Umsetzung deiner genial-bösen Idee prämierte.
    Beste Grüße von deinem Fan Frank

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Oh, ich habe einen Fan! Vielen Dank für die Glückwünsche. Ich muss gestehen, ich selbst habe nicht damit gerechnet. In der Vergangenheit landete ich mit Storys, die ich selbst viel mehr mochte, immer auf Platz 2 :-). Was nur beweist, dass Autoren nie wissen, was sie da gerade geschríeben haben. Im Moment scheint das Preiskomitee eine Vorliebe für humorige Anfälle zu haben. Na, ich werde mich bestimmt nicht beschweren …

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