Wie man Bäume totpflegt

 

Zugegeben, viel Ahnung von Bäumen habe ich nicht. Bisher waren sie für mich eine schöne, ökologisch verträgliche Möblierung des öffentlichen Raumes. Doch dann stieß ich bei aufwachen.net auf einen Artikel über Kronenkappungen von Bäumen. Im Extremfall wird die komplette Krone entsorgt, und nur der Stamm bleibt stehen. Bei Kopfweiden ist das normal – man provoziert damit den Austrieb von flechtbaren Zweigen für die Korbmacherei. Das ist nicht nett, aber nützlich. Kühe sind ja auch nicht wild darauf, hektoliterweise Milch zu geben.
Doch auch andere Bäume werden so verschnitten. Meist lautet die Begründung „Baumpflege“ bzw. „Verkehrssicherheit“. In Dänemark hält man das offenbar für die normale Behandlung von Alleebäumen. Der große Stamm wird abgesägt; dann entwickeln sich zwei bis vier schmalere Zweitstämme, und aus der Linde wird eine Art Trugpappel. Ob das schön ist? Keine Ahnung, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Ich finde immer, wenn es nicht absolut stört, soll man das Zeug wachsen lassen, wie es lustig ist.  Das Baumdesign wurde von der Natur in Millionen von Jahren optimiert.
Das Problem beim Kronenkappen: In die Schnittfläche dringen Pilze ein, ehe der Baum die Wunde schließen kann. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass mindestens die Hälfte der dänischen Beschneidungsopfer sichtlich krank war. Von einfachen Löchern ging das bis hin zu abgebrochenen Hauptästen und abgebrochenen Bäumen.

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Wenn man einmal darauf aufmerksam geworden ist, sieht man immer wieder, wie sorglos mit der Kettensäge gearbeitet wird. In Jena sägt man auch Büsche knapp über dem Boden ab. In den vier, fünf Jahren, bis sie wieder ordentlich ausgetrieben haben, muss man weder Zeit noch Geld in die Pflege investieren. Zuweilen habe ich das Gefühl, man betreibt das mit Vorsatz, um endlich diese lästigen Laubabwerfer loszuwerden. Gerade eben fällt man aus Gründen der Verkehrssicherheit 25 Pappeln, die man vor einiger Zeit aus Gründen der Verkehrssicherheit eingekürzt hatte.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Wie man Bäume totpflegt

  1. Hannah Steenbock schreibt:

    Ja, es ist schade, dass so viele Bäume gnadenlos beschnitten werden und dadurch Jahrzehnte lang kränkeln. Bei den dänischen Linden geschieht das sicher aus Tradition – aber schlauer wäre es, gleich Pappeln zu pflanzen. Ich darf zum Glück aus meinem Fenster auf gänzlich unbeschnittene Birken, Linden und eine herrliche Blutbuche blicken.

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