Die Rote Gefahr

Die rote Gefahr entwickelt sich prächtig – in meinem Garten. Sie ist definitiv geeignet, Leuten Feuer im A**** zu machen.
Im Internet findet man ja alles Mögliche und Unmögliche, auch Anleitungen zur Aufzucht von Chilis: anfangs nur mit destilliertem Wasser gießen, Extra-Besonnung mit einer Lampe, Ventilator zur Kräftigung des Stengelchen … Verdammt, dachte ich. Wie konnte aus meinen Chilis je etwas werden?
Der erste Anlauf ging zugegebenermaßen schief. Das gekaufte Saatgut war eine Enttäuschung (das einzige überlebende Pflänzchen macht exakt zwei kleine Schoten pro Jahr), und die Vermutung, Chili käme mit Trockenheit gut zurecht (Mexiko? Ungarn?) erwies sich als Fehler.
Zweiter Versuch. Am besten kauft man eine Packung Chilis im Supermarkt und hebt ein paar Kerne auf. Ich habe meine vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie, das eine kleine, witzige Grünanlage mit verblüffenden Sorten unterhält. Den Namen der von mir zwecks Vermehrung entnommenen Probe habe ich natürlich vergessen. War aber ordentlich scharf. Kerne einfach in einen Blumentopf werfen, ein wenig mit Erde zudecken und Wasser aus dem Hahn drauf. Nach ein paar Tagen gibt es Keimlinge. Mehr Wasser aus dem Hahn drauf. Sie dürfen nie trocken werden, vertragen andererseits auch Nordfenster ohne zusätzliches Brimborium.
Wenn sie so groß sind, dass man sie anfassen kann, ohne sie zu zerquetschen, kann man sie in einen gewöhnlichen Balkonkasten pflanzen. Um die zehn Zentimeter zum Nachbarn sollte man ihnen geben. Ist es draußen frostfrei, dürfen sie raus, die erste Woche allerdings in den Schatten. Bei Mistwetter auch einfach so ins Mistwetter. Und dann muss man nichts anderes tun, als regelmäßig Wasser nachfüllen und warten. Irgendwann gibt es mehr Schoten, als man nebenbei wegschnurpsen kann, aber sie lassen sich trocknen.
Das Ergebnis ist lecker, hilft gegen Magen-Darm-Infekte, vermutlich auch gegen Erkältungen (muss ich testen), heizt den Kreislauf an und soll angeblich auch im Bett Wunder wirken. So viel zur Botanik.

Man muss das Geld da her nehmen, wo es sich stapelt – Umfairteilen-Demo in Jena am 30.09.2012

Außerdem ist heute der World Day for Decent Work, also ein Tag gegen miserabel bezahlte Leiharbeit, Mini-Jobs und willkürliche Befristungen, aber auch gegen Arbeitsverdichtung und Selbstausbeutung beim Crowd Sourcing. Mindestlöhne wären übrigens auch eine gute Idee, damit niemand in zwei oder drei Jobs schuften muss, um über die Runden zu kommen, oder zusätzlich zur Arbeit noch Sozialhilfe braucht.
Was das mit roten Chilis zu tun hat? Siehe oben: Manche Leute bewegen sich erst, wenn der eigene Hosenboden Feuer fängt. Das kann man beschleunigen …

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Die Rote Gefahr

  1. totschka schreibt:

    „Manche Leute bewegen sich erst, wenn der eigene Hosenboden Feuer fängt.“

    Das kenne ich. Als ich damals offenbarte, an der Occupy-Demo in Erfurt teilgenommen zu haben, da wurde ich angeschaut, als käme ich aus dem Dagobah-System
    Zum Thema hat mir ein Freund ein passendes Buch geliehen: Ulrike Herrmann „Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht“. Mindestens genauso erhellend, wie Deine Tipps zur Chili-Aufzucht.

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