Leistung lohnt sich wieder

Deutschland hat ein Problem. Falsch, Deutschland hat einige Probleme. Eines aber hat man vorgeblich gerade gelöst: die
Altersarmut.
Da immer mehr Menschen für Hungerlöhne arbeiten müssen – um die 400000 beziehen zusätzlich zum Lohn für eine
Vollzeitstelle auch noch ergänzende Sozialhilfe – reichen die Renten erst recht nicht zum Überleben. Das wird in den nächsten Jahren schlimmer werden. 50 % oder nur 43 % von zu wenig sind halt auch zu wenig, man diskutiert nur noch darüber, um wie viel zu wenig genau. Um im Alter mehr als Hartz IV zu haben, müsste man nicht nur durchgängig sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, sondern auch ein Einkommen über 9.50 € die Stunde haben. Immer mehr Altersrentner haben Mini-Jobs, um ihre karge Rente aufzubessern.
Die Koalition hat sich deshalb etwas Schönes ausgedacht, das sehr nach Wahlgeschenk aussieht: die Lebensleistungsrente. Die soll es geben, wenn man 45 Jahre lang Beiträge gezahlt und zusätzlich privat vorgesorgt hat. Das heißt, wer so wenig verdient, dass er im Alter von seiner Rente nicht leben kann, soll von seinen paar Kröten auch noch welche den Versicherungen in den Rachen werfen. Nachdem die Riester-Rente weitgehend gefloppt ist, versucht man nun die Ärmsten zu bewegen, den Gewinn der Konzerne zu nähren. Wie einer meiner Kollegen zu sagen pflegte: Nimm von denen, die am wenigsten haben, da
kommt am meisten zusammen.
Aber die Krönung ist, was man für seine 45 Beitragsjahre von Super-Ursula bekommt: 15 Euro pro Monat extra! Da kann man es richtig krachen lassen. Es sind für jedes Beitragsjahr ziemlich genau 0.33 Cent. Das ist der Wert, den unsere Regierung der
Lebensleistung ihrer arbeitenden Bevölkerung zumisst. Leistung lohnt sich wieder.

Wie wäre es denn, das Übel mal von der Wurzel her anzugehen? Wenn es einen flächendeckenden Mindestlohn von, sagen wir, 9.50 € gäbe, hätten wir das Problem nicht, und mehr Steuern flössen obendrein in die ewig leere Staatskasse.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Leistung lohnt sich wieder

  1. Max Headroom schreibt:

    Es bewahrheitet sich wiedermal der schöne Spruch von Ernst Bloch:
    „Wenn es nicht für alle reicht, springen die Armen ein.“
    Eigentlich hätte ich seit Jahren gerne den „Tango Korrupti“ von Rainhard Fendrich als Nationalhymne. Wenn ich jedoch sehe, was sich die Bevölkerung so alles gefallen läßt, wäre vielleicht doch Frank Schöbel besser geeignet mit seinem Titel „Mit mir könn‘ ses ja machen“:

  2. Pingback: Qual der Wahl: Meine Unworte 2012 | Heidrun Jänchen – Aurora schießt quer

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