Henkelbraut und Kaffeetrude

Kaffeetrude im Keramik-Museum Bürgel

Kaffeetrude im Keramik-Museum Bürgel

Wenn man sich bei strahlend blauem Himmel in Jena auf den Weg macht, heißt das noch lange nicht, dass man 13 Kilometer weiter in Bürgel auch bei Sonnenschein ankommt. Nein, das Wetter meinte es nicht gut mit Leuten, die zwischen den Feiertagen einfach mal im Freien herumlaufen wollten.
Um der Fahrt wenigstens einen nachträglichen Sinn zu geben, besuchten wir das Keramikmuseum. Bürgel ist stolz auf seine Töpfertradition, und ich bin immer dafür, etwas Neues zu lernen.
Wie diese ganze Töpferei funktioniert, ist dem Museum allerdings nicht so wichtig. Es ist vor allem eine umfangreiche Topfsammlung mit einheimischen Produkten, durchaus mit interessanten Exponaten z. B. von Henry van de Velde, einem der Bauhaus-Professoren. Dazwischen steht eine einsame Töpferscheibe – es hilft, wenn man so ein Ding auf dem Töpfermarkt in Jena schon einmal in Aktion gesehen hat. Dann weiß man, wie es funktioniert. Hie und da finden sich ein paar Werkzeuge, deren Funktion man sich mit etwas Phantasie vorstellen kann. Für Auflagedekore etwa gab es wie für Spekulatius Modeln, in denen sie geformt wurden, aber wie man die dann auf den Topf bekam, wird nirgends erklärt. Auch das Thema Brennofen wird ausgespart. Für Glasuren gibt es ein säuberlich transkribiertes Rezept, aber was zum Geier ist eigentlich „Bleiglätte“? Und wie funktioniert die Gießtechnik? Wie vermeidet man dabei Blasen? Wie kriegt man ringförmige Gefäße hin? Wie funktioniert die Tonpfeifenorgel im Obergeschoss, die sofort mein Interesse weckte? Man geht mit einer Menge Fragen aus dem Museum, jedenfalls mit mehr, als man hereingebracht hat.
Immerhin habe ich zwei neue Worte gelernt. Versäumt habe ich, eine „Henkelbraut“ zu fotografieren. Sie sieht ein bisschen aus wie der Henkelkorb, den Rotkäppchen im Märchen durch den Wald trägt, nur halt aus Ton: hohe runde Schüssel und oben ein Tragebügel dran. Die „Kaffeetrude“ gefiel mir wegen der Form ihres Einfüllstutzens. Ein Loch zum Kaffeeeingießen wie heutige Kannen hat sie nämlich nicht, dafür zwei Schnäufe.
Unnötig zu sagen, dass das Wetter aufklarte, als wir uns wieder Jena näherten. Dafür ist dann wohl die Regentrude zuständig. Fehlte nur noch, dass uns die Sonne die Zunge herausstreckt.

PS: Wenn man Google nach „Henkelbraut“ suchen lässt, korrigiert die Suchmaschine einfach zu „Henkersbraut“. Wäre ja noch schöner, wenn jeder einfach so sucht, was er wissen will …

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Henkelbraut und Kaffeetrude

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