Immer die Falschen!

Kaum hat man Otfried Preußler die Zustimmung zur politisch korrekten Bereinigung seiner Kinderbücher abgenötigt, stirbt er. Als schlage da ein märchenhafter Fluch zu, weil er seine Geschöpfe im Stich gelassen hat, das diskriminierende „Chinesenmädchen“ und die erschröckliche „Schuhwichse“. Wenn es ein Trost ist – immerhin ist er 89 Jahre alt geworden – das muss man erst einmal schaffen! – und die Gesamtauflage seiner Bücher liegt laut Wikipedia bei 50 Millionen. Ich ziehe meinen virtuellen, metaphernhaften Hut so tief wie irgend möglich. Es gibt vermutlich massenhaft unbereinigte Exemplare, so dass die kleine Faschingschinesin ihren Autor um viele Jahre überleben dürfte.

Trotzdem frage ich mich, warum man nicht irgendeinen Bericht aus Kristina Schröders Familienministerium einer derartigen Überarbeitung unterzogen hat. Immerhin hat die Frau Ministerin mit ihrem unsäglichen Interview der Bereinigungshysterie ordentlich Schub gegeben. Es trifft immer die Falschen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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6 Antworten zu Immer die Falschen!

  1. Inge schreibt:

    Ich glaube, die CDU braucht immer mal ein abschreckendes Beispiel, um Frauen in der Politik ad absurdum zu führen. Ich denke immer noch gern an die nette Frau Nolte aus Ilmenau (die immerhin zur „Klavierspielerin“ des Jahres gekürt wurde – eine Ehre, die sie u.a. mit Helge Schneider teilt). Momentan ist sie Beiratsvorsitzende des Deutschen Feuerwehrverbands. Dass es eine der Vorzeigedamen bis zur Bundeskanzlerin gebracht hat, war wohl so nicht vorgesehen…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Ja, das aktuelle Dummchen vom Dienst wird Ministerin für Gedöns … Nur bei Ursula von der Leyen haben sie sich vertan, die hatte immerhin noch ein paar Ideen. Musste unbedingt einen anderen Posten kriegen.
      Erinnere mich bloß nicht an Claudia Nolte! Hat die nicht peinlicherweise auch Physik studiert, oder halluziniere ich das?

  2. Hannah Steenbock schreibt:

    Spache verändert sich natürlich mit der Zeit, und das ist gut so. Aber ich finde, wir sollten alte Bücher in Ruhe lassen. Nur auf diese Weise lassen sich – gerade auch für Kinder – neue, alte Welten entdecken. Ich glaube nicht einmal, dass Eltern die Frage „Warum ein Negerlein?“ scheuen, sondern dass es sich tatsächlich um Sorgen bei Verlagen handelt. Schade, dass sie so wenig Vertrauen in die Neugier von Kindern haben. Schade, dass heute immer mehr vorgekaut wird.

  3. Max Headroom schreibt:

    Dieses Umändern klassischer Texte halte ich für inakzeptabel. Das ist sowas wie Geschichtsfälschung. Man stellt die Vergangenheit anders dar, als sie gewesen ist.
    Erinnert irgendwie ans „Ministerium für Wahrheit“ aus Orwells „1984“, wo man die Vergangenheit immer dem aktuellen Stand der Politik angepasst hat …

  4. Daniele schreibt:

    Ein Kumpel hat mal die These aufgestellt, daß man in der CDU, auf einem neuen Posten angekommen, erstmal eine „Mutprobe“ bestehen muss. Irgendeinen totalen Blödsinn raushauen, also sowas wie Schröder gern macht, oder einen absurden Nazivergleich. Wenn man sich danach noch im Sattel hält, ist man die richtige Person für diesen Job.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Also wenn das so wäre, dann müsste die Schröder längst Papst sein …
      Ich glaube ja eher, es muss unbedingt eine völlig unfähige Frau ran, damit die CDU sagen kann: „Ihr seht ja, dass Frauen nichts taugen.“ Da Merkel ihnen das Leben schwer macht, musste mit Kristinchen etwas besonders Unbedarftes ins Familienministerium …

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