Schöner unsre Städte – mach mit!

Dass Einkaufszentren auf der grünen Wiese für die Innenstädte nicht förderlich sind, bezweifelt niemand. Aber was ist mit denen in der Stadtmitte? Bringen sie die Leute zurück, wirken sie der Verödung entgegen und – beleben sie die Städte?
Einkaufszentren sind zunächst einmal gut für Einkaufszentren. Die Städte ringsum interessieren nur insoweit, als sie Kunden heranführen. Das optimale Umfeld besteht aus Kultur, Historie, Gastronomie und ein paar Exotenläden: Notenhandlung, regionales Kunsthandwerk, Antikmöbel … Der Rest ist Konkurrenz. Ein Einkaufszentrum hat überhaupt kein Interesse daran, den Handel in den umliegenden Straßen zu beleben, denn jeder Euro, der da ausgegeben wird, ist ein verlorener Euro. Wer einmal im Center ist, der soll dort bleiben, bis sein Portemonnaie leer ist. Sie sind eine Art Kannenpflanze auf der Jagd nach Menschen: ein Eingang, eine möglichst lange Fußgängerzone, keine Möglichkeit zum Abbiegen, und der Nektar, sprich der „Ankermieter“, hockt in der hintersten Ecke.
In mancher Kommune, die sich ein Center ins Zentrum geholt hat, rieben sich die Stadträte hinterher die Augen, weil einige hundert Meter weiter plötzlich die Läden leerstanden und statt Belebung Totengräberstimmung herrschte. Schwerin, Wetzlar, Siegen … Die Liste ist lang und trostlos. Im schlimmsten Fall landen die Steuern aus dem Center nicht einmal im Stadtsäckel, sondern da, wo die großen Ketten ihren Konzernsitz haben. Mit den fehlenden Steuern muss man dann den Stadtumbau zwecks Revitalisierung finanzieren.
Da und dort regt sich deshalb Widerstand, nicht nur in Jena und am Eichplatz. Eine Offenbacher Bürgerinitiative hat jetzt eine Petition an den Bundestag gestartet, um die Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung zu verbessern und die generelle Veröffentlichungen von Studien und Gutachten zu erzwingen.

Modell_OFBAufgelockerte, kleinteilige Gebäude verspricht der Entwurf von OFB und jenawohnen, die sich harmonisch in das Stadtbild einfügen. Massive Baukörper würden vermieden. MK3 (links im Bild) hat um die 3500 m², MK2 etwa 6500 m², verteilt auf zwei Blöcke. Die grünen Innenhöfe befinden sich sämtlich oberhalb des 2. Obergeschosses.
Der Konkurrenzentwurf von ECE sieht Stuttgart 21 verblüffend ähnlich, ist aber angeblich individuell auf Jena zugeschnitten. Dabei gibt es hier gar keine nennenswerte Schwabenpopulation.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Schöner unsre Städte – mach mit!

  1. Ellen Löchner schreibt:

    Liebe Heidrun,

    ECE schönert bald Mainz. Was soll man da sagen?

    Liebe Grüße, Ellen

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Wenn man genauer hinschaut, ist ECE überall in diesem Land auf Einkaufstour – und überall schlagen die Leute die Hände über dem Kopf zusammen über die Pläne. Inzwischen stürzt man sich auf die „Mittelstädte“, die zwischen 50000 und 100000 Einwohner haben (das ist Mainz nun nicht gerade). Wahrscheinlich ist erst Schluss, wenn der letzte Dorfladen von ECE gemanagt wird. Ich fürchte zwar, dass die 50000 Unterschriften für einen Auftritt im Bundestag nicht zusammen kommen, halte die Petition aber trotzdem für eine gute Sache.
      Liebe Grüße zurück,
      Heidrun

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