Sprachmurks: Schmutzige Kleidung jetzt billiger

Sale„Sale“ steht seit einiger Zeit an allen möglichen Läden. Deutsch ist das jedenfalls nicht. Deutsch schreibt sich das mit zwei A, nämlich Saale, und ist ein Fluss, der hier gelegentlich über die Ufer tritt. Im Moment liegt er bzw. sie aber faul im Bett und denkt nicht dran, in den Läden der Innenstadt vorbeizuschauen.
Also eine fremde Sprache. Einige behaupten steif und fest, es sei Englisch. Aber wo ist jetzt der tiefere Sinn, an einen Laden zu schreiben, dass er was verkauft?
Ich habe aus Notwehr Französisch gelernt, weil man in Frankreich mit schlechtem Französisch viel besser überleben kann als mit dem besten Englisch. „Sale“ heißt im Französischen „schmutzig“, und das klingt nun wieder sinnvoll. Dass man angeschmuddelte Klamotten billiger verkauft, ist irgendwie logisch. „Ach“, denke ich, wenn die SALE-Schilder auftauchen, „da verkauft man wieder dreckiges Zeug.“
Und ganz ehrlich: Wer zwingt uns, den Werbegenies den Gefallen zu tun, und ihre Ausschwitzungen der gewünschten Sprache zuzuordnen? Zumal dabei zuweilen so ein Unfug herauskommt wie die „Bodybag“, die für Muttersprachler ein schlichter Leichensack ist.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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8 Antworten zu Sprachmurks: Schmutzige Kleidung jetzt billiger

  1. U. schreibt:

    Nicht schlecht ist auch Public Viewing, das eigentlich für die öffentliche Leichenbeschaung steht. Blutgrätsche Olé.

  2. gmr schreibt:

    Bedenkt man noch, dass Online-Händler viel gebrauchte Kleidung verkaufen (Retourenquote 50%, über 70% der Händler bringen die Ware wieder in den Verkauf (Quelle: Handelsblatt) , ist deine Feststellung zur Bedeutung von SALE nicht von der Hand zu weisen…

  3. Ob schmutzig oder nicht, fest steht doch, dass das Wörtchen die Leute nur so in die Läden lockt, auf der Suche nach der ein oder anderen heruntergesetzten Beute. Und online funktioniert es eben genauso. Wo einmal „SALE“ aufblinkt, wird, wenn auch „nur zum gucken“, mal draufgeklickt. Es ist halt mittlerweile ein Signalwort geworden.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Hm, „Sonderangebot“ würde wohl auch funktionieren. Jahrelang stand „SSV“ an den Schaufenstern – und die Leute gingen rein.
      Seltsamerweise findet man das „SALE“ in Großbritannien nicht halb so inflationär wie bei uns. Da steht auch mal „top deal“ oder „top prices“ dran.

  4. Inge schreibt:

    Originell wird’s bei Läden wie „Back Shop“, „Bad Shop“ oder „Boot Shop“. Während die ersten beiden Backwaren und Badzubehör anboten, habe ich im dritten keine Boote entdecken können…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Sag mir bescheid, wenn am Back Shop „SALE“ dransteht. Das muss ich sehen …
      Und im Boot Shop gibt’s echt keine Boote? Verdammt! Übringens gibt es in den USA eine Kette namens „Boots“, und das ist, man hält es im Kopf nicht aus, eine Drogerie. Die triggern bei mir immer den Reingeh-Impuls, weil ich jedesmal denke, da müsste unbedingt „Books“ stehen. Allemal wieder eine Enttäuschung. Vielleicht sollte ich bei denen mal nach Kampfstiefeln fragen, damit sie auch was davon haben.

      • Inge schreibt:

        Wer sagt, dass der Name des Geschäfts etwas mit dem Inhalt zu tun haben muss? Bei Schlecker gab’s auch keine Eiscreme (vielleicht war das der Fehler?), bei Rossmann keine Pferde… Aber es zeugt irgendwie von mangelhafter Kenntnis der englischen Sprache, wenn einer seinen Laden in einer regelmäßig von ausländischen Touristen besuchten Fußgängerzone „Bad Shop“ nennt. Wobei die vermutlich auch keine Badewannen kaufen…

      • Heidrun Jänchen schreibt:

        Ja, die Bäckerei Fischer, landläufig „dr Fischbäck“ genannt, ist auch ein bisschen seltsam, aber immerhin eindeutig. Für Namen kann ja keiner was. Es wird aber keiner gezwungen, sich einen bescheuerten Namen in schlechtem Englisch zuzulegen, noch weniger in verquerem Denglisch.
        Aber ehrlich – hast du dir noch nie ein Waschbecken als Souvenir aus dem Urlaub mitgebracht? Wenigstens, wenn es das im Sonderangebot gab? 😀
        Eine wirklich witzige und bei Touristen sehr beliebte sprachliche Entartung ist dagegen „Fucking Hell“ der Fuckinger Brauerei. Nur die Kirche hat sich darüber ein wenig aufgeregt.

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