Freiheit und Bratwurst!

ChristchruchBratwurst

Fritz‘ Bratwurst, Christchurch, NZ

Bratwurst ist das Gegenteil der Gentrifizierung. Ungefähr. Sie setzt nicht voraus, dass man sich auf privaten Grund und unter das Hausrecht irgendeines Restaurantbesitzers begibt, im Gegenteil: Die Bratwurstbude lebt am besten in Symbiose mit öffentlichem Freiraum. Bänke in Grünanlagen oder auf Marktplätzen sind ihre natürlichen Verbündeten. Sie hat etwas Provisorisches – das reine Gegenteil der Inbesitznahme der Stadt durch Einkaufszentren. Sie ist mobil, zuweilen sogar mit Rädern.
Gesellig sind die Wurstroste obendrein. Sie tauchen überall da auf, wo Menschen zusammenkommen, um zu feiern oder zu kämpfen. Ein Streik ohne Bratwurst? In Thüringen undenkbar! Ein Stadtteilfest ohne „Rost brennt“? Macht ihr Witze?! Der eigentümliche Geruch bratender Würste ist geradezu ein Anzeichen dafür, dass irgendwo in dieser Richtung etwas los sein muss. Folgen Sie Ihrer Nase!
Im Gegensatz zu anderem Fastfood ist die Bratwurst sehr regional und speziell. Während ein BigMäc oder ein Irgendwas-Sub überall auf der Welt gleich aussehen und gleich schmecken, sind Bratwürste nicht einmal innerhalb einer Thüringer Stadt gleich. Von denen in Toronto oder Christchurch mal ganz zu schweigen. Auch da gibt es natürlich Wurstbuden. In fremden Städten BigMäcs zu essen, ist etwas für Feiglinge. Wer wissen will, wie die Fremde schmeckt, greift zur Wurst.
Es klingt banal, aber das Recht, irgendwo in Ruhe seine Bratwurst zu essen, sollte uns heilig sein. Es setzt Freiraum voraus, in dem der Wert des Menschen nicht nach dem Inhalt seines Portemonnaies oder seiner Kreditlinie beurteilt wird. An der Wurstbude sind Maurer und Professor gleich, und jeder darf seinen Senf dazugeben. Liberté, Egalité, Saucisse!

Um dem Vorwurf der Diskriminierung zu entgehen: Fast alles das gilt auch für Bock- und Currywurstbuden. Nur die Thüringer Regionalfehden um die einzig wahre Bratwurst – die sind mit Bockwurst undenkbar.

 

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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4 Antworten zu Freiheit und Bratwurst!

  1. gmr schreibt:

    Ich habe vor Jahren mit meiner Familie in MeckPomm ‚Thüringer Bratwurst‘ gegessen – das grenzte an Körperverletzung. Ich schwöre, ich habe noch nie eine Bratwurst weggeworfen – aber die bekam keiner von uns runter.
    Auf die ‚Thüringer Bratwurst‘ im Hbf. Köln habe ich lieber verzichtet. Original Leichenfinger!

  2. Inge schreibt:

    In Ostfriesland habe ich mal als Bratwurst eine frittierte Bockwurst bekommen.
    Fröhliche Weihnachten!

    • gmr schreibt:

      Solange das keine THÜRINGER Bratwurst sein sollte, kann man es noch durchgehen lassen.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Immerhin war es eine gebratene Wurst …
      Ich gestehe, dass neuseeländische Bratwürste auch eher langweilig schmecken, jedenfalls die, die ich hatte. Passten aber bestens zum Kartoffelsalat und weckten eine unbändige Lust aufs Selberkochen. Der Würstlstand auf dem Foto hieß übrigens Fritz‘ Wieners, das ist eigentlich der Gag dran. Bavarian style …
      Egal wie abartig Bratwürste sein mögen – mit denen erlebt man wenigstens was!

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