Wozu die Krim-Krise gut ist

Manchmal führt es zu verblüffenden Erkenntnissen, wenn man verdrossen im Stau steht und Deutschlandfunk hört, weil man die Zeit ja irgendwie totschlagen muss.
Gestern berichtete der darüber, was US-Präsident Barack Obama in Brüssel den Deutschen ins Gebetbuch diktiert hat. Man dürfe sich nicht so abhängig machen vom russischen Erdgas. Wenn das TTIP genannte Freihandelsabkommen unterzeichnet wäre, könnte man viel leichter Flüssiggas aus den USA liefern. [Klartext: Jetzt habt euch nicht wie die Heppe im Melkeimer wegen eures albernen Verbraucherschutzes und unterschreibt den Wisch, damit z. B. Monsanto endlich seinen Gendreck auch in Europa verklappen kann.] Die USA hätten das Glück, zusätzliche Energiequellen zu besitzen, die dank fortschrittlichster Technologien ausgebeutet werden können. [Klartext: Seht endlich ein, dass Fracking notwendig ist. Hört auf, wegen eurer Umwelt rumzuheulen, und lasst uns auf eurem Boden ordentlich Gewinn machen.]
Dass in der vom Westen kräftig unterstützten ukrainischen Opposition einige sehr unappetitliche Kräfte mitmischen, hat man seit langem gewusst. Dass die Rechtsaußen-Nationalisten nicht zögern würden, die russische Minderheit zu drangsalieren, war zu erwarten. Dass die sich das nicht gefallen lassen würde ebenfalls. Die meisten Völker reagieren ausgesprochen ungehalten, wenn man ihnen die eigene Sprache zu verbieten versucht. Mit anderen Worten: Die ganze Krim-Krise war Krise mit Ansage. Dass Deutschland dabei zwischen zwei Stühlen sitzen würde, war klar wie Kloßbrühe. Die Argumentation, dass Sanktionen Russland mehr schaden werden als Deutschland, sagt ein wenig verklausuliert nichts anderes als: Sie werden Deutschland schaden.
Vielleicht ist es eine zu kühne Verschwörungstheorie, dass der Aufstand in Kiew nur deshalb so vehement angeheizt wurde, damit die stockenden TTIP-Verhandlungen in Bewegung kommen. Aber Obama hofft, angesichts der Krim-Krise würden EU und USA wieder enger zusammenrücken … Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Die Graphik habe ich bei Broken Branches gefunden. Da gibt es noch mehr davon.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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