Die große Antwort: 62

Eichplatz290314Es ist ausgezählt. Noch am Dienstag habe ich mich geweigert zu glauben, dass wir gewonnen haben könnten. Es war zu verrückt.
Die Investoren haben mit bunten Bildern, Luftballons und Prosecco geworben, mit Eichplatzfest inklusive Antenne Thüringen und Cheerleaders. Nichts war zu peinlich. Wir hatten Flugblätter: 60.000 im A5-Format, etwa 7.000 als A4-Faltblatt. Nach Feierabend und am Wochenende standen wir in der Fußgängerzone oder liefen durch Ortsteile wie Closewitz oder Vierzehnheiligen. Ich bin morgens halb sechs aufgestanden, um noch schnell eine Pressemeldung zu schreiben oder irgendwelche Studien zu lesen  – und um die Lufthoheit im Web nicht den Befürwortern zu überlassen. Wir konnten uns 46 Nein-Plakate leisten. „JA statt Grau“ hing an jedem zweiten Laternenmast.
Heute wurden die letzten Stimmzettel der Bürgerbefragung ausgezählt. 62 % Nein zum Eichplatzkonzept. Es ist unglaublich, aber wir haben das Projekt gestoppt.
Die Grünanlage ist, als ich von der Auszählung komme und die von uns gepflanzten Stiefmütterchen gießen will, voller Leute. Die meisten sind jung. Kinder toben herum und haben nicht die geringste Ahnung, dass ich gerade ihren Spielplatz gerettet habe. Es ist der schönste Anblick, den ich mir denken kann.

Was sonst noch geschah – wie immer anklicken, um die Galerie zu öffnen:

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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11 Antworten zu Die große Antwort: 62

  1. Almut schreibt:

    Das ist ja grandios, was für ein Erfolg, ich gratuliere!

  2. Tobias Schäfer schreibt:

    Herzlichen Glückwunsch! Ihr habt es auch wirklich verdient. Und nun bringt ihr die Stadt auch noch zu Investitionen in die Begrünung des Platzes 🙂

  3. gmr schreibt:

    Meine Gratulation. Dafür eine Hiobsbotschaft aus Erfurt. Nun soll der Domplatz doch bebaut werden. Und wie ich die Erfurter kenne – sie werden nölen und jammern – aber am Schluß ‚ja und amen‘ sagen…

  4. gmr schreibt:

    Noch etwas: Da inzwischen fast alle schon immer gegen die Bebauung des Eichplatzes waren, ist es sicherlich sinnvoll, eine Dokumentation im Internet zu erstellen, in der der Ablauf und „historische“ Meinungen gezeigt werden. Vielleicht solltet Ihr auch mal ausrechnen, wie viel Zeit und Geld ihr investiert habt – stellt das doch den Parteien, welche die Abstimmung herausgezögert haben, in Rechnung…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Oh, historische Meinungen gibt es. Hier gab es einen grünen Ortsbürgermeister, der sich an Bäume anketten wollte. Bei seiner letzten Wortmeldung war er begeistert von der Aussicht auf ein Shopping Center. Mal sehen, was die nächste Mutation bringt.
      Und ihr wollt echt und wirklich den Domplatz bebauen? Ja spinnt ihr? Der war immer unser Referenzobjekt für freien Platz in der Stadt, den man sich offenbar leisten kann. Also wenn ihr Unterstützung in Sachen Widerstand braucht – wir wissen jetzt, wie es geht 🙂

      • gmr schreibt:

        Zum Domplatz: Habe gerade im Netz ein paar Bilder gefunden, es scheint derzeit nur um Lückenbebauung am Rand (nicht auf dem Platz selbst) zu gehen, http://www.competitionline.com/de/beitraege/82713
        aber da gab es zumindest schon andere Begehrlichkeiten und die sind schnell wieder geweckt.
        Im ND war heute ein Artikel: Herausgehoben das Engagement von Rose Marie Blaschke (nichts gegen sie, aber ich hatte zuvor ihren Namen nicht gelesen und auch jetzt finde ich im Netz wenige Beträge von ihr zum Eichplatz) – dafür ihre Aussage, dass die Sprecher der BI den Streit begraben wollen… Und selbst der OB gehört fast schon zu den Guten. Dafür kein Wort von den Öffentlichkeitsaktionen der Piraten und einigen Linken.
        http://www.neues-deutschland.de/artikel/929293.buerger-zwingen-jenas-stadtspitze-zum-kurswechsel.html (wie kann man hier einen Link setzen?)
        Ich denke, hier wäre noch Öffentlichkeitsarbeit angebracht, denn euer Erfolg war ein Erfolg der Basis, nicht der Institutionen!

  5. gmr schreibt:

    Übrigens: Du kannst schönere Fotos machen, als Frau Doris Weilandt.

  6. Karsten Kruschel schreibt:

    Auch von mir herzlichen Glückwunsch zum einstweiligen Sieg! Man darf gespannt sein, mit welchen Winkelzügen versucht werden wird, doch noch zu bauen. – Immerhin hast Du jetzt wieder Zeit, ein gewisses Buchmanuskript zu streicheln …

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