Ein Buch über mich – Stefanie Mühlsteph über Frauen und Technik

TechnikgirlWenn mir vor 30 Jahren jemand gesagt hätte, wegen meiner Entscheidung für ein Physikstudium würde ich dereinst als Beispiel in einem Sachbuch landen, hätte ich wahrscheinlich gelacht. Aber es ist echt wahr. Stefanie Mühlsteph hat mit „Technik Girl“ ein Buch über Frauen und Technik geschrieben. Und weil sie selbst Elektroitechnik studiert hat, ist klar, dass das kein unüberwindbarer Gegensatz ist, sondern sehr gut zusammenpasst.
Das Buch ist ein kurzweiliges Sammelsurium von allem und jedem, inklusive der gängigsten Klischees mit ungängigen Antworten, einem Selbsttest, Aussagen aus einer Campus-Umfrage … und eben Interviews mit Technik-Girls, die im konkreten Fall auch mal eine Frau von 48 Jahren sein können. Das ist witzig zu lesen. Bei der Entscheidung für ein technisch-naturwissenschaftliches Fach scheinen fast immer der Zufall und oft die Familie ausschlaggebend gewesen zu sein. Unorthodoxe Ideen brauchen Rückhalt.
Die Erfahrungen ergeben eine Art Mittelwert: Mädchen mit einer Vorliebe für Technik und Naturwissenschaft haben in der Pubertät fast immer Probleme, weil diese Fächer plötzlich total uncool sind. Aber die, die sich trotzdem darauf einlassen, sind im Gegenzug so was von cool … Weswegen es wahrscheinlich ein gutes Ermutigungsbuch ist für die, die nicht in die Schublade passen. Im Übrigen haben die meisten Technik-Girls auch irgendein nichttechnisches Lieblingsfach gehabt, nur mit typischen Auswendiglern-Fächern ausnahmslos Probleme.
Statistisch, führt Stefanie an, studieren in Deutschland weniger Frauen MINT-Fächer als im Iran. Und sie fragt: „Könnte es sein, dass unsere als als stark gelobten Frauen in Wirklichkeit verwöhnte Mädchen sind? Rundum gepamperte, unemanzipierte, kleinbürgerliche Mädchen, die alles und jeden, nur nicht sich selbst hinterfragen?“ Etwas Ähnliches hat man übrigens in Schweden festgestellt: Je freier die Frauen in ihrer Berufswahl waren, umso stärker konzentrierten sie sich auf typische Frauenberufe. Ein unbequemer Fakt, so wie die Frage eine unbequeme ist.
„Ich habe keine Ahnung von Technik“ spart natürlich auch eine Menge meist unbequemer Arbeiten, und dann kann man ein wenig über die Unterdrückung durch die Männer jammern und gendergerechte Sprache fordern, während der Mann die Reifen wechselt.
Muss aber nicht. Das Leben als Ingenieurin ist sichtlich aufregend, ermöglicht die Entfaltung der eigenen Kräfte und wird obendrein gut bezahlt. Wer sich als Frau da durchbeißt, der … äh … die ist auch im Leben nicht unterzukriegen. Also – Krönchen absetzen und Schraubenzieher in die Hand nehmen.

PS: Die Illustration von Jana Moskito habe ich mal eben gekapert, aber es ist die erste Illustration ganz für mich, und überhaupt sind die Zeichnungen ein Argument für das Buch.

„Technik Girl“, Stefanie Mühlsteph, Schwarzkopf&Schwarzkopf 2014, 9.95 €

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Ein Buch über mich – Stefanie Mühlsteph über Frauen und Technik

  1. Tobias Schäfer schreibt:

    Ich freue mich auch schon lange auf einen neuen Roman VON dir 🙂

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