Der Dezernent schmollt

Ich wählte die freundlichste verfügbare Formulierung. Ich fände es gut, sagte ich, dass das Thema nun auch im Stadtentwicklungsausschuss behandelt würde, nachdem man schon vor drei Wochen in der Presse darüber lesen konnte. Es ging um die Neugestaltung von Wagnergasse und Johannisplatz, Jenas unangefochtener Kneipenmeile. Die Gegend sieht anarchisch aus, und sie brummt. Man sollte meinen, ein derartiges Vorhaben ginge den Ausschuss etwas an. Der wird sonst zu jeder Hundehuxt* eingeladen: Jena rettet Gemüse, Stadtradeln, Feierliche Erstbegehung des neugestalteten Paradieses am frühen Nachmittag … Aber wenn es ans Zentrum geht, ist man auf den Zufall angewiesen. Einen Tag vorher erfuhr ich von der geplanten Bürgerversammlung – und hatte den Abend bereits verplant. Die Politik hat es an sich, dass nicht viele Abende frei bleiben.
Stadtentwicklungsdezernent Denis Peisker nutzte bereits in der Sitzung meine behutsame Kritik für den Vorwurf, ich hätte was gegen Bürgerbeteiligung. Auf Twitter liest sich das dann so:

PeiskerNein, Herr Dezernent, dagegen habe ich gar nichts. Aber ich finde, man sollte auch den Ausschussmitgliedern ein paar Tage vorher eine Einladung schicken. Meine Mail-Adresse haben Sie. Da hätten Sie freundlicherweise auch gleich die Unterlagen mitschicken können. Aber nein, die gibt es exakt eine Woche vor der Sitzung und keinen Tag früher. Man soll ja nicht zu viel Zeit haben zum Nachlesen und -denken.
Eckhard Birckner (Bürger für Jena) beantragte in der Debatte, den Beschluss zu vertagen und einen Ortstermin – auch mit den betroffenen Bürgern – anzusetzen. Ich hatte mich zwar schon vorbeugend umgeschaut, aber es ist trotzdem hilfreich, an Ort und Stelle ein paar Erklärungen zu bekommen. Der Antrag wurde von CDU, SPD und Grünen abgelehnt, einschließlich Dezernent. So viel Bürgerbeteiligung wäre dann doch zu unheimlich.
Stattdessen wirft der Dezernent lieber ein wenig mit Dreck. Entbehrt zwar jeder Grundlage, aber das ist ja kein Grund, es nicht zu tun. Vermutlich liegt ihm noch immer die Eichplatz-Abstimmung quer im Magen. Da hatten die Piraten nach zwei Jahren nerviger Kleinarbeit die Bürgerbeteiligung erreicht. Nicht allein, keinesfalls, aber immer vorndran und immer da, wenn eine kleine Bürgerinitiative Hilfe brauchte. Damals während der Abstimmung schrieb Denis Peisker auf Facebook: „Meine Meinung ist alternativlos.“ Nun ja, die Jenaer sahen das anders. Daran leidet der Ärmste noch immer. Und dann laufen einem ständig diese Piraten vor den Füßen herum und stellen dumme Fragen, da kann man schon mal unsachlich werden. Eigentlich tut er mir leid. Er hat mich noch fast vier Jahre an der Backe.
Mal sehen, was der persönliche Mitarbeiter des Herrn Dezernenten ins Protokoll schreibt. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

* Hundehochzeit, ein Ereignis von großer Bedeutungslosigkeit

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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6 Antworten zu Der Dezernent schmollt

  1. gmr schreibt:

    Ich habe mir gerade Herrn Peiskers Twitter-Nachrichten angesehen. Geht der Mann noch in den Kindergarten oder schon in die 1. Klasse?
    Übrigens arbeitet er nach seinen eigenen Worten bei der Thüringer Landgesellschaft. Kein Wunder, dass Thüringen so hinterm Mond ist!

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Das wundert mich jetzt, da er als Dezernent für Stadtentwicklung in Jena arbeiten sollte. Für mein Gefühl ist das mehr als ein Vollzeitjob, weil man schon als ehrenamtliches Ausschussmitglied ziemlich gefordert ist. Die letzte war mal wieder eine 5-Stunden-Sitzung, und zuvor muss man die ganzen Unterlagen lesen und verstehen … Eigentlich müsste man auch noch mit den Betroffenen reden und und und … Keine Zeit für Zweitjobs. Da ist der Twitter-Account wohl nicht ganz aktuell.

    • Jenenserin schreibt:

      die Seite von Herrn Peisker ist nicht ganz aktuell.
      http://www.denis-peisker.de/category/aktuelles/
      das war 2012 zur OB-Wahl
      naja Herr Peisker hat als Dezernent viel zu tun, da hat man keine Zeit mehr für Öffentlichkeitsarbeit. Ich hätte ihm aber mal empfohlen die Seite zu löschen. Sie irritiert wirklich etwas, vor allem da keine Jahreszahlen zu finden sind und man sich alles selbst zusammen reimen muß.

  2. Heidrun Jänchen schreibt:

    Nee, der arbeitet wirklich und wahrhaftig bei der Stadt Jena und ist mit Sicherheit nicht mehr Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, denn Stadtrat und Beschäftigung bei der Stadt schließen einander entsprechend der Thüringer Kommunalordnung aus. Ich habe alle zwei Wochen im Ausschuss mit ihm zu tun, falls er da nicht einen Avatar schickt. Seine Webseite ist einfach völlig hinterm Mond – seit etwa zwei Jahren. Hat zu viel damit zu tun, Unsinn zu twittern …

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