Nach Osten 2.7: Wiki sei Dank

Zweiundvierzigarmige Göttinnen? Natürlich ist es viel einfacher, wenn man den Namen weiß. Andersherum macht es mehr Arbeit, aber wozu gibt es Wikipedia & Co.? Wenn man keine Ahnung hat, muss man mehr lesen, das bildet.
Irgendwann finde ich Guanyin – die die Töne der Welt wahrnimmt – die 42 Arme braucht, weil sie für alles Elend der Welt zuständig ist und deshalb alle Hände voll zu tun hat. Theoretisch sind es sogar tausend Arme, die aufgrund einer komplizierten theologischen Arithmetik durch 42 repräsentiert werden. Was das Elend angeht, so helfen wohl auch die 22 Ohren, um das Wehklagen aufzunehmen. Die Welt ist danach.


Die etwas düsteren Gesellen am Eingang des Tempels sind die Wächter über die vier Himmelsrichtungen. Deshalb sehen sie so drohend aus. Tatsächlich findet sich mit dem Rücken zu ihnen der Lachende Buddha, ein Mönch, der einerseits vom Betteln lebt, andererseits davon dick geworden ist, dritterseits das meiste wegschenkt und überhaupt mit wenigem glücklich ist.
Schließlich erklärt sich noch die immer wieder auftauchende Dreifaltigkeit von Buddhas. Die drei Weisen sind für Wohlstand, Weisheit und Glück zuständig, Glück im Sinne von Glücklichsein, nicht Schwein haben.
Die Drachenköpfe auf dem Dach haben auch mehr als dekorativen Sinn. Der Drache ist ein Wassertier, und deshalb hält er mutmaßlich das Feuer fern vom Haus. Im Tianyige-Museum erklärt man mir auch, dass die schönen dekorativen Teiche im Garten ihren Sinn haben – den eines Löschwasserteichs für die wertvolle Büchersammlung. Verwirrend ist allerdings, dass es auch Feuerdrachen gibt. Die helfen möglicherweise gegen Überschwemmungen.
Schließlich lerne ich noch das Qilin kennen, das chinesische Einhorn, das ich für einen mutierten Löwen gehalten hätte. Es hat Hufe, Fischschuppen, Hirschgeweih, aber definitiv einen sehr löwigen Körper. Es ist wie sein europäischer Verwandter ein sehr freundliches Tier, das keinen Grashalm krümmt, aber ein schrecklicher Gegner ist, wenn man sich nicht zu benehmen weiß.
Es ist spätabends. Ich habe den Kopf voll neuen, eigentlich überflüssigen Wissens, und schon fühle ich mich besser, ungefähr so wie nach einem guten Essen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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