Wahlwerbung 3.1: Ich komme wieder!

Jena, Kesslerstraße

Jena, Kesslerstraße

Man kennt das vom Terminator. Man kann ihn mit einer Dampfwalze überfahren, mit dem Flammenwerfer grillen, mit der Bazooka in Stücke schießen und in einem Lavasee ertränken – kaum atmet man auf, ist er wieder da, und die Panik kehrt zurück.
So ähnlich ist das mit Dietmar Schuchardt, CDU. Schon wieder hängt er an jeder zweiten Jenaer Laterne, nicht in persona, sondern als Plakat. Es gibt Leute, die bekommen davon Alpträume. Und jetzt ist er auch noch doppelt so groß wie all die anderen Nasenpappen. Es gibt kein Entrinnen.
Egal ob Oberbürgermeister-, Stadtrats- oder Landtagswahl – Schuchardt grinst einen von jeder Straßenecke an. Ist er tatsächlich nicht zur Bundestagswahl angetreten? Ich erinnere mich nicht recht. Und was will er? „Für Sie in den Landtag.“ Ehrlicher wäre: „Für mich in den Landtag“, aber seit wann sind Politiker ehrlich? Irgendwo hing tatsächlich auch noch das Plakat mit der Aufschrift „Gut für Jena“. Das war offenbar von der OB- oder Stadtratswahl übrig. Merkt man gar nicht, ist auch nur minimal ausgeblichen. Die blaue Farbe ist resistenter als orange.

Einschub: Viel besser sind die anderen Pappnasen auf den Nasenpappen auch nicht. Frau Siegesmund tritt an „Für das grüne Herz“ (ein albernes Marketingwort für Thüringen), Herr Wothly, der zweite CDU-Kandidat, will „Für Jena in den Landtag“. Vor kurzem wollte er dafür noch in den Stadtrat – wie übrigens auch der unvermeidliche Herr Schuchardt. Einzig Bodo Ramelow hat noch so etwas wie eine Botschaft: „Solidarität“. Der Rest ist zu kleingedruckt. Einschub Ende.

Dietmar Schuchardt stört im Stadtrat nicht sehr. Im Stadtentwicklungsausschuss stellte ich erst nach Monaten fest, dass der Mann gar nicht stumm ist. Er hat nur nichts zu sagen. Insofern sind die Plakate dann doch wieder ehrlich, denn sie täuschen wenigstens keinen politischen Anspruch vor, wo keiner ist. Der Professor für Angewandte Mathematik schießt auch nicht mit unhandlichen Gewehren um sich. Er ist ein Terminator, der durch Langeweile tötet. Vermutlich lächelte er politische Konkurrenten an, bis sie in Schlaf sinken. Meist sitzt er nur still da und sieht wichtig aus. Seine politische Wirkungslosigkeit kontrastiert eindrucksvoll mit seiner optischen Penetranz.
Die nächsten drei Jahre sind keine Wahlen. Unglaublich, aber wahr. Drei Jahre ohne Schuchardt-Porträts an allen Laternen. Aber wir wissen ja, wie das ist in den Horrorfilmen: Immer wenn man aufatmet …

Eine alternative Sicht auf die Plage Jenas gibt es übrigens hier. Nur die Wahlempfehlung mag ich irgendwie nicht teilen, nicht einmal, wenn uns der Professor in Rosa droht.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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