Wahlkampf 3.2: Widersprüche

Wahlwerbung_Gruen_LinkeWer schon mal bei schwerem Seegang unterwegs war, kennt den Mechanismus: Das Auge meint, man stünde noch immer senkrecht im unbewegten Raum, das Gleichgewichtsorgan dagegen weiß, dass alles ringsum schwankt. Der Widerspruch treibt den Mageninhalt an die frische Luft.
Einen ähnlichen Effekt kann auch Wahlwerbung hervorrufen. Hier zwei besonders schöne Exemplare:
Jeder Baum ist ein Zuhause? Mag schon sein, allerdings haben die Jenaer Grünen regelmäßig nichts gegen gewaltsame Zwangsräumungen mit Kettensäge. Ob 50 Bäume am Eichplatz oder 200 beim Ausbau des Burgwegs – kein Wort des Widerspruchs von den Grünen. Da braucht es schon einen Piraten für die Nachfrage, wieso man glaubt, 59 Ersatzpflanzungen könnten 200 gefällte Bäume irgendwie ausgleichen. Nun ja, zur Kompensation hat man am angrenzenden Baumbestand immerhin noch 5 Nistkästen aufgehängt. Wenn man in Mathematik nicht so die Leuchte ist, leuchtet das ein.
Aber auch die Linke gibt sich diesmal alle Mühe. Spitzenkandidat Bodo Ramelow besetzt einfach alle Themen. Wirkt unglaublich überzeugend – „FRAUEN“ als Schlagwort und dann der männliche Möchtegern-Landesvater. Hätte er das nicht seiner Genossin Gudrun Lukin überlassen können? Patriarchaler geht Werbung kaum – macht euch keine Sorgen, Mädels, Papa Bodo kümmert sich um eure Rechte. Würdet ihr selber ja nie hinkriegen. Hauptsache, ihr macht ihm keine Konkurrenz. Zudem kommen die Plakate so unrot und tiefschwarz daher, als wollte man den CDU-Wählern weismachen, der schwarze Sektor des Wahltortendiagramms sei die Linke. Eigentlich fand ich die minimalistischen Themenplakate der Linken immer erholsam gegenüber dem Porträt-Wahlkampf der anderen. Die Erholung ist beendet. Ab sofort gibt es nur noch Ministerpräsidentenanwärter, und die Themenplakate überlässt man den Grünen.
Im normalen Linke-Layout darf der GEW-Gewerkschafter Torsten Wolf immerhin das Thema Bildung an den Wähler bringen – hat Über-Bodo allerdings auch in seinem Programm. Wenigstens guckt der Wolf nicht so staatsmännisch.
Ich versuche, mir Bodo Ramelow mit einer roten Fahne in der Hand auf einer Barrikade vorzustellen – „Auf zum letzten Gefecht“ und so. Erfolglos.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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