Wahlkampf 3.4: Politische Geographie ungenügend

Jena, Schottstraße

Jena, Schottstraße

Als Minister für Bildung und Wissenschaft sollte man eigentlich wissen, worum es bei der anstehenden Wahl geht. Um Thüringen. Nicht, wie Herr Matschie behauptet, um Jena. Thüringen ist um einiges größer. Da gehören so peinliche Misserfolgslandschaften wie Altenburg und der Thüringer Wald dazu, was man von Erfurt aus schon mal aus dem Blick verlieren kann. An Städte, die sich langsam aber sicher halbieren, weil alle Jungen die Flucht ergreifen, wird man nicht so gern erinnert.
In Thüringen hat Christoph Matschie zunächst einmal einen Politikwechsel verhindert, weil er der viel stärkeren Linken gegenüber darauf beharrte, Ministerpräsident werden zu wollen, sich dann aber doch mit dem Job als Hilfskellner der CDU zufriedengab. Damit war fünf Jahre lang gesichert, dass Thüringen die rote Laterne in Sachen Lohn behält und überhaupt nichts Wichtiges entschieden wird. Denn die CDU-SPD-Koalition war von Anfang an damit beschäftigt, sich gegenseitig Unfähigkeit, Vetternwirtschaft, Skandale und Schlamperei vorzuwerfen. Man ist geneigt, beiden Seiten recht zu geben.
In Jena, um das es dem Minister angeblich geht, ist ein Großteil der Bevölkerung nicht gut auf ihn zu sprechen. Aus seinem Ministerium kam der grandiose Plan, an der Jenaer Universität, dem größten Arbeitgeber der Stadt, 10 Prozent der Kosten zu sparen, damit aber mehr Studenten in besserer Qualität auszubilden. Als gäbe es effizientere Maschinen, die schneller Ingenieure und Wissenschaftler herstellen können. Seither wird gekürzt, dass es quietscht. Nicht nur Orchideenfächer werden gestrichen, nicht nur bei den Gesellschaftswissenschaften regiert die Löschtaste. Wo immer ein Professor in den Ruhestand geht, geht auch der Lehrstuhl den Bach runter. Trifft unter anderem die Analytische Chemie, die Festkörperphysik, die Angewandte Optik …, Fächer, deren Sinn im Leben wohl kein Mensch anzweifelt, der nicht in einem Ministerium sitzt. Jena ohne Angewandte Optik?! Gut, dass in unserer Firma der Generationswechsel weitgehend durch ist! Dass man in einem anderen Topf dann doch noch ein paar Millionen fand und gönnerhaft als „Aufstockung“ der Mittel anpries, obwohl das Geld eigentlich vom Bund kam, ist nur ein schwacher Trost.
Matschies Ministerium hat übrigens auch Psychologie-Studenten untersagt, eine Studie zur Wirksamkeit von Präventionsprogrammen an Schulen durchzuführen. So genau will man nicht wissen, ob das, was man finanziert, irgendeinen Nutzen hat.
Das ist ein Interessenvertreter, wie man ihn sich für die Stadt nicht besser wünschen kann! Äh … Wirklich? Wer will, dass wir auch weiterhin ein würdiges Mitglied der Freistaaten-Riege sind, die chronisch durch Skandale und Skandälchen auffallen, und die Uni weiter kaputtgespart wird, der wählt Matschie, damit sich auch garantiert nichts ändert.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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