Ausschuss

Richtige Frauen kümmern sich um ihre Angelegenheiten selbst.

Richtige Frauen kümmern sich um ihre Angelegenheiten selbst.

Der Jenaer Stadtrat hat einen Ausschuss für Soziales, Gleichstellung und Sport. Über den heißt es in der Geschäftsordnung:
„Er berät über Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung sowie Familien, Senioren und Frauen.“
Ein Satz von schöner Unverständlichkeit. Er berät über Familien? Oder über Angelegenheiten von Familien? Oder – grammatisch korrekt – über die Angelegenheiten von Menschen mit Frauen? Oh oh.
Mal davon abgesehen, dass hier das weibliche Geschlecht in eine Reihe mit Behinderung gestellt wird – will ich, dass ein Ausschuss des Stadtrates „über Angelegenheiten von Frauen“ berät? Also über meine Angelegenheiten? Was gehen den Stadtrat meine Angelegenheiten an – mein Kontostand, der defekte Blinker meines Autos, meine Ischiasprobleme nach Langstreckenflügen? Oder das Problem, aus fragmentarischen männlichen Äußerungen eine verbindliche Reservierung für eine Urlaubsunterkunft abzuleiten?
Deshalb habe ich eine Alternativformulierung vorgeschlagen, als nach Änderungswünschen für die Geschäftsordnung gefragt wurde:
„Er berät über Maßnahmen zur Förderung und Unterstützung von Familien, spezielle Belange von älteren Menschen, soziale Belange von Kindern und Jugendlichen und Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen.“
Die Behinderten habe ich nicht ausgelassen, die haben bei mir einen eigenen Unterpunkt bekommen, weil ihre speziellen Bedürfnisse altersunabhängig vom üblichen Lebensalter- und Familienspektrum abweichen.
Mir war durchaus auch wichtig, dass da „Gleichstellung von Männern und Frauen“ steht. Ich will keine Extrawurst, nur weil mir was wurstförmiges fehlt. Wer Gleichberechtigung will, muss auch die Blinkerbirnen selber wechseln.
Clemens berichtet aus dem Hauptausschuss, gegen meine Formulierung habe es heftigen Widerstand gegeben, weil „Angelegenheiten“ viel mehr umfasse als nur Gleichstellung. Wie wahr – siehe oben. Einigen ist Gleichstellung nicht genug. Aber die Bevorzugung von Frauen ist eine Diskriminierung von Männern und damit grundgesetzwidrig. Entsprechend schlug Clemens entnervt vor, den Ausschuss halt umzubenennen in „Ausschuss für Soziales, Angelegenheiten und Sport“.

„Ausschuss für Angelegenheiten“ sortiere ich gleich neben „Institut für hochentwickelte Konzepte“ in meinen Wortschatz ein. Sagt nicht, Politik sei nicht lustig. Jetzt noch lustiger mit 4.6 % Piraten …

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Ausschuss

  1. Karsten Kruschel schreibt:

    Das Foto ist, glaube ich, im Harz aufgenommen. Auf dem Hexentanzplatz über Thale. Oder?

    Und ich sammle grade sinnlose Behördennamen für ein Buchprojekt. Darf ich „Ausschuß für Angelegenheiten“ verwenden?

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      1. Ja, das ist der Hexentanzplatz bzw. die Hexe, allerdings bei der Arbeit. Endlich mal ein Kunstwerk, bei dem man nicht rätseln muss, was es wohl darstellt.
      2. Das Copyright am Ausschuss für Angelegenheiten hält strenggenommen mein Nichtfraktionskollege Clemens Beckstein. Ich kann ihn ja mal fragen … Da er eher Computerprogramme schreibt, wird er mutmaßlich nichts dagegen haben.

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