Genderquark mit rosa Soße

Der Jenaer Stadtrat hat in seiner Geschäftsordnung das Frauenvotum stehen. Bei Fragen, die das Selbstbestimmungsrecht der Frauen berühren oder von denen Frauen besonders betroffen sind, dürfen die Frauen zunächst unter sich abstimmen und eine Empfehlung abgeben. Mir kommt das seltsam vor. Artikel 3(2) des Grundgesetzes fordert als Staatsziel, die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern. Von rosa Kuschelzonen ist keine Rede. Nachdem ich schon diverse Kommata in die Geschäftsordnung diskutiert habe, kann ich meinen Ruf nicht mehr nachhaltig ruinieren.
Also habe ich einen Antrag geschrieben, den Passus durch einen formulierungsgleichen für Männer zu ergänzen. Das mag ein bisschen übertrieben wirken, aber ich bin für Konsequenz. Es soll auch nicht ganz leicht sein, als Kindergärtner zu arbeiten. Prompt fühlte sich einer angemacht und bemüßigt, uns zu beleidigen:

AntivotumstweetDeppin dann wenigstens … Sonst fühle ich mich diskriminiert.
Ich habe nachgerechnet: 51.2 % der Jenaer sind Jenaerinnen. Es hätte genug Kandidatinnen gegeben, um das auch im Stadtrat so zu besetzen. Aber die Wählerinnen fühlen sich anscheinend von Männern besser vertreten. Dann sollen sie hinterher nicht rumheulen. Sie hatten es in der Hand. Spannend auch, welche Parteien wie besetzt sind. Frauenanteile gefällig? Linke 64 %, Piraten 50 %, Bürger für Jena, Grüne und CDU je 40 %, SPD 20 %. So viel zur männerdominierten Piratenpartei. Und weil mir die Debattenkultur mit Sprüchen wie „Bevor ich dich blocke, nochmal mit Herz: Halt die Fresse :)“ nachhaltig auf die nicht vorhandenen Eier ging, kam schließlich folgendes raus:

DiskriminierungstweetKlingt das jetzt irgendwie, als wären die Jenaer Piraten frauenfeindlich? Vielleicht ein klein bisschen albern, aber das kann der Stadtrat gut gebrauchen …

 

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Genderquark mit rosa Soße

  1. Inge schreibt:

    Ich verstehe nichts vom Twittern, keine Ahnung, wer das alles liest (lesen soll), aber der Dialog wirkt schon etwas befremdlich, wenn einem nicht gleich einfällt, dass hinter Hajo_T eine Frau steckt…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Ja, mein Piraten-Nick sorgt immer mal wieder für Verwirrung. Im konkreten Fall ist dieser Blogpost einmal quer durch den Piraten-Landesverband Thüringen getwittert worden. Mal davon abgesehen, dass sich der Nick praktisch automatisch ergeben hat, ist er auch ein Beitrag zum Post-Gender – eigentlich sollte es egal sein, ob man Mann oder Frau ist. Gelegentlich ist es schön, sich als blöder Macho beschimpfen zu lassen, nur um dann den Joker zu ziehen, dass man zwei X-Chromosomen hat.

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