Totes Pferd in Öl

FrackingDer Golfkrieg (genauer gesagt: der dritte Golfkrieg) hat den Ölpreis ordentlich in die Höhe getrieben. Nach einem kurzen Einbruch zur Wirtschaftskrise 2008/2009 ging es wieder ordentlich aufwärts. Was wenige wissen: Seither haben US-amerikanische Ölproduzenten ihren Anteil am Ölmarkt auf rund elf Prozent ausgebaut.
Das scheint der Konkurrenz nicht sonderlich zu gefallen. Seit einiger Zeit pumpen vor allem die OPEC-Staaten im Nahen Osten und Russland steigende Ölmengen auf den Markt. Der Preis ist im Sturzflug. Ich habe gestern zum ersten Mal seit Jahren für nur 1.35 €/l getankt … Wenn es sogar beim Verbraucher ankommt, muss der Absturz wirklich ernst sein: von 125 $/barrel Brent im Mai 2011 auf gerade noch 70 $/barrel letzten Feitag. Das sind 56 %. So viel kommt an der Tanke natürlich nicht an.
Die OPEC denkt nicht dran, die Förderquote zu senken, denn der niedrige Preis bringt nur die Produzenten in die Bredouille, die zu hohen Preisen fördern. Das sind nicht die im Nahen Osten. Das sind die Fracking-Quellen in den USA. Fracking ist teuer. Sinkt der Ölpreis, lassen sich viele Quellen nicht mehr rentabel betreiben. Ab 80 $ pro Barrel wird es für viele eng.
Dallas News zitiert Fadel Gheit, Managing Director von Oppenheimer&Co.: „Der Geist ist aus der Flasche. In diesem Geschäft herrschen Extreme. Wenn die Preise hoch gehen, investieren Hinz und Kunz* in Ölfirmen. Wenn sie runter gehen, Vorsicht … Das letzte Mal, als ich etwas derartiges sah, war 2008, als der Aktienmarkt kollabierte.“
Die Fracking-Aktien sind im freien Fall. Es herrscht Krieg, es sieht nur nicht so aus. Die USA haben allen Grund, im Nahen Osten und Russland Stress zu machen – sie wollen den Zusammenbruch ihrer Fracking-Industrie verhindern. Wobei es im Fall der Russen wohl eher eine infam clevere Reaktion auf den Stress ist, den die Amerikaner da seit letztem Jahr veranstalten.
Und was tut unsere geniale Regierung? Sie will Fracking erlauben. Das sagt sie so nicht. Sie sagt, dass sie es regulieren will. Aber etwas, das verboten wäre, müsste man nicht regulieren. Mit anderen Worten: Sie schafft Regelungen für die Lagerung toter Pferde in Deutschland, nur für den Fall, dass man die vielleicht doch noch reiten könnte. Man soll sie aber nicht in Trinkwasserschutzgebieten lagern. Ist das nicht toll?

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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