Nach Osten 4.0: Vorhölle

Shanghai Pudong Airport

Shanghai Pudong Airport

Flughäfen sind eine Vorhölle. Der Frankfurter steht in Sachen beängstigende Unübersichtlichkeit bei mir auf Platz zwei, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Peking vielleicht nur der unverständlichen Sprache wegen gewonnen hat.
Auf der Grundebene wirkt alles heruntergewirtschaftet: Sitze durchgesessen, aber natürlich mit Armlehnen, damit sich ja keiner hinlegt, der da gestrandet ist, Toiletten müllig, dafür werden die Mülltonnen regelmäßig nach Brauchbarem, also Pfandflaschen, durchsucht. Was man dadurch zu hintertreiben versucht, dass man an allen Ecken Pfandspende-Automaten aufgestellt hat, wo man sein Leergut für gute Zwecke einwerfen kann. Ich frage mich, was wohl der tolle, fröhlich grüne Automat gekostet hat – jedenfalls Geld, das man auch hätte für gute Zwecke spenden können. Aber der Automat sieht einfach besser aus als so ein Obdachloser.
Immerhin bekommt man für 2.40 € einen ausgewachsenen Kaffee. Auf dem Gate, wo es außer einem Mikro-Imbiss und einer Toilette nichts mehr gibt, kostet der schon 3.00 €. Klar, da hat man ja keine Wahl, wenn man nicht noch einmal die hochnotpeinliche Leibesvisitation über sich ergehen lassen will. (Auf dem Hauptbahnhof verkauft die gleiche Kette den Becher für 1.50 €).
An der Sicherheitsschleuse wird heute jeder angepfotelt. Es piept grundsätzlich bei jedem. Die einzigen Metallteile an meinem Körper sind zwei winzige Haken und vier ebenso kleine Ösen an meinem BH. Das könnte freilich auch eine Bombe sein. Möglicherweise simuliert man aber auch erhöhte Wachsamkeit, weil in Paris zwei Idioten mit Maschinengewehren um sich geschossen haben. Könnte ja sein, ich habe eins davon im BH-Riemchen versteckt. Während ich wie der letzte Trottel mit hoch erhobenen Armen herumstehe und befehlsgemäß die Wand anstarre, stehen mein Rucksack und mein Laptop völlig unbewacht auf dem Band. Da könnte jetzt jeder kommen … Aber das würde im Gegensatz zu BH-Verschlüssen nicht die nationale Sicherheit bedrohen.
Die Befürchtungen sind freilich nicht grundlos, denn nach jeder Sicherheitskontrolle kann ich an nichts anderes denken als Möglichkeiten, Sprengstoff in den Sicherheitsbereich zu schmuggeln, um dem Verstoß gegen Art. 1 GG endlich ein Ende zu machen.

(Offline-Blog aus der WordPress-freien Zone)

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Das Universum & der Rest, Politik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Nach Osten 4.0: Vorhölle

  1. thom schreibt:

    Boah, genau unter diesem Schild wird ich Dienstag auch wieder stehen …

  2. Inge schreibt:

    Flieg das nächste Mal über München. Da gibt es Kaffee und heiße Schokolade kostenlos. Mein Töchterlein musste das letzte Mal übrigens seine komplette Waschtasche ausleeren, weil es Zahnpasta, Pickelcreme und Nagellack nicht als Flüssigkeiten eingestuft hat,

  3. Leselotte schreibt:

    „angepfotelt“ – lustiger Ausdruck.
    Natürlich alles mit großem Interesse gelesen. Danke für diesen Bericht.

  4. Boris schreibt:

    Dann sollten Sie das nächste Mal ohne Metall am Körper fliegen:-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s