Jetzt bloß keine Kaninchen-Karikaturen!

Katholische Kaninichen halten züchtig Abstand

Katholische Kaninichen halten züchtig Abstand

So weit sind wir schon: Der Präsident des Zentralverbandes der deutschen Rassekaninchenzüchter Erwin Leowski beschwert sich über den Papst, der geäußert hatte, die Katholiken müssten sich nicht wie die Karnickel vermehren. Leowski legt Wert darauf, dass nur freilebende Karnickel zu „sexuellen Ausschweifungen“ neigen, während die Vermehrung von Zuchtkaninchen in geordneten Bahnen verlaufe.
Verrückte unter sich! Natürlich kann man gut enthaltsam sein, wenn man im Gefängnis sitzt. Ob das geordnete Zuchtkaninchen damit glücklich ist, sei dahingestellt. Vielleicht verhalten sich ja freilebende Kaninchen einfach artgerecht? So, dass die Erhaltung der Art möglichst gut gesichert ist? Sie sind damit sehr erfolgreich, unter anderem in unseren Stadtparks.
Recht hat der Kaninchenenthaltsamkeitsapostel allerdings mit einem: Vernünftig wäre es, wenn die katholische Kirche mal ihr Verhältnis zu Kondomen und Pille überdenken würde. Aber katholische Kirche und Vernunft, das ist ein Widerspruch in sich. Ein Verein, der behauptet, eine Frau könnte nach der Geburt eines Kindes immer noch Jungfrau sein, hat sich vom gesunden Menschenverstand schon vor Jahrtausenden verabschiedet. Irgendwas ist bei denen bei der Sexualaufklärung schiefgegangen.
Das einzig Schöne an der Kontroverse von ehrenkäsigen Dogmatikern ist die Vielzahl rammelnder Rammler, mit denen die Medien die Meldung illustrieren. Hab ich leider nicht im Angebot.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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4 Antworten zu Jetzt bloß keine Kaninchen-Karikaturen!

  1. Na ja, ist es nicht ein wenig billig, sich über Religionen auszulassen, die man weder versteht, noch beurteilen kann? Aber über das Christentum kann man sich ja wohlfeil auslassen, ist ja nicht gefährlich …

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Och, es ist auch nicht gefährlich, wenn Kirchenvertreter alle Naselang den Atheisten erklären, was ihnen zum vollwertigen Menschen fehlt. Wann kann man denn eine Religion beurteilen? Muss ich Theologie studieren, oder reicht es vielleicht doch, die Bibel von der ersten bis zur letzten Seite gelesen zu haben?
      Ich finde schon, dass ich über die katholische Kirche eine Meinung haben darf. Etwa darüber, trotz AIDS-Epidemie in Afrika gegen Kondome zu wettern oder vergewaltigten Minderjährigen eine Abtreibung zu verbieten, selbst wenn ihre Gesundheit gefährdet ist. Oder darüber, dass der Papst meint, man sollte auf Sex verzichten, wenn man keine Kinder zeugen will (also wenn er über etwas urteilt, was er weder versteht noch beurteilen kann). Außerdem ist die Institution katholische Kirche nicht identisch mit der Religion, auch wenn sie das gern so hätte.

  2. frankwh schreibt:

    Nun, im Vergleich mit dem Sendungsbewußtsein von Wahhabiten, Grünen/Piraten und ähnlichen Volkspädagogen ist die katholische Kirche von heute ein eher harmloser Altherrenverein, der hierzulande dennoch ständig den Haß und die Häme von Rot/Rosa/Grün auf sich zieht, anders als eine gewisse besonders friedvolle „Religion“, bei der sofort Toleranz eingefordert wird. Offenbar sind Verhütungsverbote (die niemand einhalten muß) schlimmer als das Kopfabschneiden von Ungläubigen. Ich habe auch noch keinen einzigen Grünen/Piraten (das ist für mich das gleiche Niveau) gehört, der sich kritisch zum Wahhabismus geäußert hätte. Wäre ja auch dumm, die zukünftigen Mehrheiten zu verprellen und obendrein gar den Kopf zu riskieren …

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Diese Argumentation führt dazu, dass man von allem immer nur das jeweils Schlimmste kritisieren darf. Das geht nach der Devise: „Was, Ihnen ist unser Essen nicht gut genug?! In Afrika hungern die Kinder!“
      Davon abgesehen, steht im Programm der Thüringer Piraten, dass man sich gegen Beschneidung von Minderjährigen einsetzen will, weil man das Recht auf körperliche Unversehrtheit für höherrangig hält als das auf Religionsfreiheit der Eltern. Irgendwo in den Archiven meins Blogs findet sich auch ein Post zu diesem Thema. Solange wir nur in Stadträten vertreten sind, ist unser Einfluss natürlich begrenzt. Andererseits diskutieren wir, ob man den Religionsunterricht in Thüringen nicht radikal einkürzen und in einen konfessionsunabhängigen Unterricht umwandeln sollte, statt jeder Religion ihre eigenen Lehrer und Unterrichtsstunden zu finanzieren. Abschaffen geht leider nicht, weil das Schulfach als einziges im Grundgesetz verankert ist, nicht etwa Deutsch oder Mathematik.
      Piraten sind – mindestens in Thüringen – mehrheitlich Atheisten, die finden, Religion sollte Privatsache sein, in Gotteshäusern stattfinden, privat finanziert werden und im Übrigen die ungläubige Mehrheit in Thüringen in Frieden lassen. Wie war das mit Institutionen, von denen man nichts weiß und die man nicht versteht?
      Der harmlose Altherrenverein wird übrigens auch von den Steuern der Atheisten immer noch ordentlich finanziert.

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