Nach Osten 4.4: Gender Studies

Tempelfigur_männlich Tempelfigur_weiblich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Blaukittel in der Montagelinie sind samt und sonders junge Frauen. Wenn es hier ist wie überall, werden sie beschissen bezahlt, und sie tun nichts, was man nicht ausdrücklich angeordnet hat. Wenn nichts angeordnet ist, stehen sie herum und dienen ihre Zeit ab.
Aber es ist Serienanlauf, und die Linie wimmelt von Weißkitteln: Ingenieure, Technologen, Projektmanager. Sie sind nicht ausschließlich, aber überwiegend männlich, und sie tragen ausnahmslos Brillen mit breiten schwarzen Rahmen. Vor einiger Zeit las ich von einer chinesischen Untersuchung an Schulkindern, die ergab, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Brille zu brauchen, umgekehrt proportional zu der Zeit war, die Kinder im Freien verbrachten. Ich frage mich, ob die Weißkittel tatsächlich so viel gepaukt haben, dass sie zum Spielen im Draußen keine Zeit hatten, und sich so die Augen verdorben haben, oder ob man, wenn man als Ingenieur ernst genommen werden will, eine Brille haben muss, damit jeder glaubt, dass man sich angestrengt hat und bis an seine Grenzen gegangen ist. So, wie man in Bankerkreisen dringend einen Schlips haben muss. Die Blaukittel sind alle brillenlos. Sie müssen nichts beweisen.
Die Geschlechterrollen scheinen klar verteilt, obwohl Frauen wegen ihrer oft besseren Sprachkenntnisse durchaus Chancen haben und China in Sachen Geschlechterverhältnisse nicht halb so verknöchert behämmert ist wie Korea. Allerdings gibt es auch eine andere Seite der Sache. Mein Kollege erklärt mir, Frauen könnten in China mit 50 (!) in Rente gehen, Männer mit 65. Das erklärt, warum es so gar keine älteren Frauen in den Unternehmen gibt. Mit Benachteiligung, wie ich anfangs vermutete, hat es jedenfalls nichts zu tun.
In der China Daily, die mir die Putzfrau ins Zimmer gelegt hat, stand ein Artikel über die Kriterien für die Auswahl eines Ehepartners. Früher wurden Ehen von den Eltern arrangiert. Dann gab es eine Zeit, in der man einfach aus Liebe heiratete. Das verliert sich. Heute gibt es handfestere Kriterien: ein mindestens gleicher gesellschaftlicher Status und das Einkommen. 70 % der Frauen erwarten, dass der Zukünftige doppelt so viel verdient wie sie. Nicht etwa nur mehr. Doppelt.
Es ist in jeder Hinsicht trostlos. Vielleicht erklärt es den internationalen Spitzenplatz, den China in Sachen Suizid innehat.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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