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Darf in der Esoterik-Ausstattung keineswegs fehlen: der Mond, obwohl männlich.

Darf in der Esoterik-Ausstattung keineswegs fehlen: der Mond, obwohl männlich.

Zu Jahresanfang geht es in der Stadt ums Geld. Zwei Dutzend Sozial-, Gesundheits-, Migranten- und Frauenvereine versuchen, beim Run auf den städtischen Kuchen ein hinreichend großes Stück abzubekommen. Einer davon ist das Frauenzentrum Towanda.
Ich mache es mir nicht leicht. Bei fast allen Vereinen schaue ich wenigstens auf ihrer Website vorbei, um zu sehen, was sie für die Menschheit so leisten. Manche kenne ich bereits. Towanda behauptet, für Gleichberechtigung der Frauen (interessanterweise nicht der Geschlechter) und freies, selbstbestimmtes Frauenleben einzutreten. Im Veranstaltungsprogramm finden sich so interessante Dinge wie Chakra-Stärkung, Reiki und Schamanismus – für deren Wirksamkeit es nicht die Spur eines wissenschaftlichen Nachweises gibt. Kann es ernsthaft Aufgabe der Stadt sein, aus Steuergeldern Esoterik-Kurse zu finanzieren? Sollen wir beim Informationsangebot für migrantische Eltern sparen, um Dinge zu stärken, die es sehr wahrscheinlich gar nicht gibt?
Ich denke: Nein. Ebensogut könnte man Geld in Streufutter für Engel investieren.
Ich denke sogar noch mehr. Für eine wirkliche Gleichberechtigung der Frauen sind diese Angebote kontraproduktiv, weil sie Zeit und Energie auf garantiert wirkungslosen Unsinn lenken und die Frauen damit trefflich davon abhalten, sich mit der realen Welt auseinander zu setzen. Mit der Handhabung einer Schlagbohrmaschine zum Beispiel. Gendergerechte Sprache ist ja schon ein unglaublich wirksamer Zauber gegen politische Aktivität – man kann praktisch jedes Problem darunter verbergen. Aber ein Labyrinth-Tag ist natürlich noch viel besser. Außerdem bestätigt der Veranstaltungskalender aufs Schönste jedes gehässige Vorurteil gegenüber Frauenvereinen, engagierten Frauen und Frauen im Allgemeinen. Danke für gar nichts. Jetzt muss ich wieder ein ellenlanges Dementi voranschicken, ehe ich sagen darf, dass ich mich für Frauenrechte einsetze.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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