Religiöse Revolution

DornenkroneKaum äußert mal einen Mensch einen absolut vernünftigen Gedanken, da kommt die Unvernunft daher und protestiert. Professor Nikolaus Knoepffler von der Jenaer Universität meint, man sollte den Religionsunterricht am besten ganz abschaffen, statt jeder Religionsgemeinschaft ihren ganz persönlichen anzubieten. Die religiöse Unterweisung sei Sache der Gemeinden. Sehr richtig stellt er fest, dass in Thüringen die übergroße Mehrzahl der Bevölkerung, nämlich zwei Drittel, nicht einmal dem christlichen, sondern einfach gar keinem Glauben anhängt. Und wenn man das Eichsfeld vernachlässigt, bleibt ein großer Haufen ungläubigen Volkes übrig. Warum also Steuergeld für konfessionellen Unterricht ausgeben? Der Mann stammt übrigens aus Unterfranken, einer weitgehend christlichen Gegend.
Ich hätte ja noch verstanden, wenn die CDU sich über die Ketzerei aufgeregt hätte. Die behauptet ja, Partei der Christen zu sein, wie unchristlich die Politik auch ausfallen mag. Aber die überlässt den Kampf um die religiöse Indoktrination den Thüringer Grünen. Standen die Grünen nicht mal für Rebellion gegen die Konventionen, freie Liebe und Haschisch? Jetzt also für Religion. Und womit begründet Astrid Rothe-Beinlich (nein, ich verzichte auf den naheliegenden Kalauer!) die Wichtigkeit des Glaubensunterrichts? „Für uns stellt der Religionsunterricht in unseren Schulen auch eine Errungenschaft der friedlichen Revolution dar, war dieser doch in der DDR undenkbar.“
Ah ja. Was in der DDR undenkbar war, muss gut sein. Nur so als Hinweis: Bei uns auf dem Dorf gab es die Christenlehre, zu der ich aus Anlass meiner Einschulung freundlich eingeladen wurde. Ich beschloss damals, den Unsinn zu ignorieren und lieber im Schulchor zu singen, in der AG Leichtathletik zu trainieren und im Mathezirkel meinen Kopf zu zerbrechen. Niemand hat mich beeinflusst, nicht einmal meine Eltern.
Jedenfalls muss nach der Logik der grünen Frau Rothe-Beinlich auch die Masernepidemie, die derzeit in Berlin umgeht, als Errungenschaft der friedlichen Revolution gelten, denn die war in der DDR auch undenkbar. Sollte man nicht lieber Logik als Schulfach einführen? Oder wenigstens den in der DDR sehr denkbaren Technik-Unterricht?
Religiöse Indoktrination als Zeichen der Freiheit – darauf muss man erst mal kommen. Aber in Jena glauben die Grünen ja auch, 150 gefällte Bäume könnte man mit fünf (in Zahlen: 5) Nistkästen ersetzen.

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Religiöse Revolution

  1. Ossiblock schreibt:

    Ein gelungener Beitrag – er spricht mir aus der Seele.
    LG aus Ostberlin nach Jena

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s