Der Mann, der Schrift war

optimaAls ich vor fast 20 Jahren anfing, meine Promotion zu schreiben, suchte ich mir eine Schrift dafür aus, die zu mir passte. Auf keinen Fall Times Roman. Physik und Serifenschrift – das war irgendwie absurd. Aber Arial war es auch nicht. Zu phantasielos, zu klobig. Am Ende schrieb ich mit Zapf Humanist.
Keine Sekunde kam ich auf die Idee. dieser Zapf könnte ein real existierender Mensch sein. Schriften schienen naturgegeben wie Gneisfelsen. Dass er einer war, erfuhr ich diese Woche aus dem Nachruf. Als ich mich für seine Schrift entschied. war er schon im hohen Rentenalter. Jetzt ist er mit 96 gestorben und hinterlässt der Welt einen Zoo von Schriften.
Humanist scheint eine Variante der Optima zu sein. Sie ist ordentlich und aufgeräumt, aber schwungvoll und ein wenig subversiv – wenn man genau hinschaut, hat sie nämlich doch Füßchen, aber halt sehr filigrane. Und weil sie vor 20 Jahren aus hundert verschiedenen Schriften die eine war, die meinem Lebensgefühl entsprach, bin ich dankbar und ein bisschen traurig. Hermann Zapf ist mir nie über den Weg gelaufen, aber er ist ein kleiner Teil von mir, ein humanistischer.

Die Schriftprobe verdanke ich Wikipedia.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Der Mann, der Schrift war

  1. Tobias Schäfer schreibt:

    Außerdem verstarben die Tage Wolfgang Jeschke und Christopher Lee. Während zweiter mir nur als prägnanter Schauspieler bekannt ist, verbinde ich mit Jeschke das Bild der SF in Deutschland, wie man es heute sieht.

    Mögen sie in Frieden ruhen.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Oh. Es sterben immer die Falschen. Aber ein bisschen ist es wie mit alten Quantenphysikern: Sie sterben nicht, sie werden nur sehr unwahrscheinlich. Wenigstens hinterlassen sie Dinge, die weiterleben, auch wenn sie selbst längst tot sind.

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