UFO im Bergdorf

UFOVitanje ist ein verschlafenes Dorf im slowenischen Pohorje-Gebirge: saftige Blumenwiesen, hohe Berge, sauberer blauer Himmel. Vor vielen Jahren wurde da eine Frau geboren, die später einen Sohn gebar, der nur 36 Jahre alt wurde, aber in dieser kurzen Zeit eine Militärkarriere, ein Elektrotechnik-Studium und ein Buch über Weltraumarchitektur unterbrachte: Herman Potočnik (pseudonym auch Hermann Noordung). 1929 erschien sein Buch, indem er geostationäre Satelliten und die allgemein bekannten aber bis heute nicht gebauten ringförmigen Raumstationen beschrieb. Ach ja, Herman selbst selbst wurde in Pula, also in Kroatien geboren. Er ist gar kein Slowene.
So weit, so phantastisch. Weil die EU ihr Geld lieber für wirre Projekte als für Renten in Griechenland ausgibt, wurde 2012 in Vitanje mit Geldern von EU und slowenischem Kulturministerium zu Ehren des (völlig verarmt verstorbenen) Herman Potočnik ein „Kulturzentrum für europäische Raumfahrttechnologien“ auf die Almwiese geklotzt. Das könnte, wenn man es richtig anfinge, ja durchaus witzig sein. Es ist der letzte Ort auf Erden, wo man Raumfahrttechnik erwartet. Gleich nach Mittweida in Sachsen.
Allerdings hat man das UFO auf dem Kulturhaus des Dorfes landen lassen, wo die Einwohner zusammenkamen, um Schach zu spielen, Bier zu trinken und zu reden. Denen hatte man versprochen, sie könnten das UFO später nutzen. Dann hat man sich doch anders entschieden. Jetzt trennt ein Kraftfeld aus Abneigung Dorf und UFO.
Wir kamen hin, um uns die Ausstellung anzusehen. Weltraumarchitektur hört sich ja interessant an. War aber geschlossen. Man hielt gerade einen Workshop ab, mit dem man zu erforschen versucht, wie man zwischen Raumfahrtzentrum und Dorf eine Beziehung herstellen kann. Zu diesem Zweck kann man Touristen zwar befragen, aber ansonsten stören sie nur. Jedenfalls lässt man sie nicht in die Ausstellung, obwohl die mit dem Workshop nichts zu tun hat.
Und so sorgt man dafür, dass die 2.8 Millionen Steuer-Euro auch weiterhin völlig sinnlos auf einer slowenischen Bergwiese vor sich hindämmern und sich auf 2500 Quadratmetern ein Dutzend Studenten mit sich selbst beschäftigt. Man hat den Leuten wieder einmal etwas weggenommen, was sie schätzten und gebrauchen konnten, und ihnen dafür etwas weitgehend Unnützes gegeben, das allerdings viel bedeutender aussieht.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu UFO im Bergdorf

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