Ist das Kunst, auch wenn es Spaß macht?

Von allen Orten, an die mich die Globalisierung verschlägt, ist mir das belgische Hasselt der sympathischste. Die Stadt ist wunderbar entspannt und erstaunlich verspielt. Man tut hier Dinge, die man einfach für eine gute Idee zu halten scheint.
Nicht nur, dass man gelegentlich eine Herde bunter Elefanten durch die Stadt treibt, um Geld für ein Elefantenschutzprojekt aufzutreiben. Auch sonst gibt es immer etwas zu entdecken. Letzten Herbst überraschte mich die Stadt mit merkwürdigen silbernen Streifen auf allen möglichen Gebäuden. Ich wunderte mich geraume Zeit darüber, bis ich vom zehnten Stock aus entdeckte, dass es eine Metastruktur gibt, die man vom Boden aus nicht erkennt. So etwas Ähnliches gibt es auch zu Hause. Das heißt „Metazeichen für Jena“ und besteht aus zwei Kreisen orangefarbener Lampen, die man auch nur von sehr weit oben erkennt. Allerdings verwirren die unauffälligen Lämpchen niemanden. Die meisten ahnen noch nicht einmal, dass es dieses Kunstwerk gibt, und die Entdeckung der dritten Dimension bleibt aus. War aber sicher teuer.
In Hasselt gab es außerdem gab es eine Ausstellung möglicher Zukünfte in der Reihe „Kunst in den open ruimte“ – was mutmaßlich „Kunst im öffentlichen Raum“ heißt und natürlich kostenlos war. In einem halben Dutzend Räumen tummelten sich Ideen. Ein riesiges Wandbild erklärte die Entwicklung unserer Technologien, auf Zetteln lagen Fetzen von Geschichten herum, manchmal nur zwei, drei Sätze, die eine ganze Welt bildeten. Projektoren warfen drei riesige Städte an die Wand, die sich subtil bewegten und doch immer gleich blieben. Samsung City gleicht auf erschreckende Weise einem enthemmt wuchernden Suwon. Nebenan tummelte sich El Ultimo Grito – eine Sammlung absurder Glasgefäße, die aussehen, als sollten sie irgendeine Bedeutung haben, obwohl sie offensichtlich völlig sinnlos sind. Aber schön, wunderschön. Und aus Glas.
Wem das nicht suberversiv genug ist, dem bleibt immer noch der Straßenraum, in dem sich – offensichtlich wohlwollend unterstützt und kanalisiert – Grafitti ausbreiten. Nicht die stumpfsinnigen Tags, die man von zu Hause kennt, sondern seltsame und verwirrende Dinge, grinsende Rettiche etwa. Vor der Kunstschule steht auch noch ein achtarmiger Außerirdischer herum. Ich frage mich, welche Botschaft er mit seinen Gesten zu übermitteln versucht und welche Erkenntnisse er über die Menschen mit nach Hause nehmen wird. Hasselt ist für einen Außerirdischen nicht der schlechteste Ort, um die Erde kennenzulernen.

An diesem Post ist mal wieder Frank schuld, der seinerseits die Höhen der Kunst in Porto zu erklimmen versuchte.

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Das Universum & der Rest abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Ist das Kunst, auch wenn es Spaß macht?

  1. Jenenserin schreibt:

    Kannst du uns ein bissel Hasselt mitbringen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s