Excel 13 hat einen Schatten

Unsere Firma hat beschlossen, Office 13 einzuführen. Widerstand ist zwecklos. Was Mutti in den USA beschließt, wird gemacht. Mein Einwand, dass ich keinerlei Bedarf an einem neuen Programm habe, weil gerade alles einigermaßen funktioniert, kontert der ITler mit dem Hinweis, dass ab nächstem Jahr Office 2010 nicht mehr unterstützt wird. Das hat freilich nichts mit einem Bedürfnis zu tun, sondern mit Erpressung.
Seit ungefähr 20 Jahren warte ich darauf, dass Excel begreift, dass ein Polarkoordinaten-Diagramm nur dann einen Sinn hat, wenn der Vollkreis 360° hat. Viele optische Dinge finden in Halbräumen statt, Streuung an Oberflächen oder die Abstrahlung von LED zum Beispiel. Ein Halbraum hat 180°. Bietet Excel 13 die Möglichkeit, endlich mal einen Halbkreis einzustellen oder wenigstens die Achse anders zu skalieren? Nein, natürlich nicht. Die 180° werden gnadenlos auf einen Vollkreis verteilt, bis man händisch noch 180 weitere Werte erzeugt hat, die gleich Null sind.
Dafür gibt es ein wunderbares neues Layout, das vor allem eins ist: schlecht erkennbar. Wo treibt sich eigentlich gerade der Scrollbalken herum? Keine Ahnung. Er ist ebenso weiß wie der Rest des Fensters. Früher wurden die Zellen in Formeln in Rot, Grün und Blau dargestellt. Heute in Rosa, Grünlich und Himmelblau. Das kann man wegen des viel geringeren Kontrastes zwar schlechter lesen, aber wen interessiert das schon? Irgendwo in Kalifornien lacht sich der Designer tot über die Deppen, die den Mist immer noch verwenden.
Meine Kurven haben jetzt standardmäßig einen Schatten. Yeah, das hat mir immer schon gefehlt – Messwerte, die einen Schatten werfen! Irgendwann gelingt es mir rein zufällig, ihn zu vernichten. Es gibt hundert voreingestellte Hintergrundfarben für die Dödel, die das Farbeimerchen nicht finden. Außerdem kann man Glanzeffekte und weiche Kanten und was nicht noch einstellen. Hilft mir das was? Gibt es irgendwo einen Schalter mit der Aufschrift „Diagramm ohne Gedöns und Glöckchen“? Nein. Wer will so etwas schon haben? Wer außer den Millionen von Wissenschaftlern und Ingenieuren, die sich mit diesem Flitterkram herumschlagen müssen, weil die Firma glaubt, es sei ein Tabellenkalkulationsprogramm?
Ich würde jetzt gern mal in Kalifornien vorbeifahren und in einige Ärsche treten. Bis der Stiefel stinkt.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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