Vom Bedürfnis nach Geschlechtsunterschieden

Wer öfter hier vorbeischaut, wird sich gewundert haben, warum ich so still war. Zu viel Arbeit und die erste Erkältung der Saison – und schon ist es aus mit der Bloggerei. Aber jetzt bin ich wieder einigermaßen beisammen und über eine interessante Erscheinung gestolpert.

Luftballons

Vor Zeiten, als das Gendern noch nicht erfunden war, kam jemand auf die Idee, dass die Bezeichnung „Lehrling“ irgendwie anstößig sei, wahrscheinlich weil er an Worte wie Fiesling, Mietling oder Sonderling dachte und zu dem Fehlschluss kam, das „-ling“ müsste negativ belastet sein. Allerdings gäbe es da auch Säugling, Schützling oder Findling, was eher Sympathisches oder sogar einen verdammt großen Stein bezeichnet.
Jedenfalls änderte man die Bezeichnung in „Auszubildende“, was so politisch korrekt wie zungenbrecherisch war und folgerichtig als „Azubi“ endete – eine Verniedlichungsform, die den so Bezeichneten auch nicht recht ernst zu nehmen scheint.
Azubi ist als Wort so geschlechtergerecht wie nur möglich. Auch das transsexuelle Eichhörnchen ist da nicht besser. Man sollte meinen, damit seien nun alle zufrieden.
Die Gewerkschaftsjugend allerdings spricht, wie ich feststellen durfte, von „Azubi und Azubine“. Wie es scheint, gibt es unter den Menschen ein tiefes Bedürfnis nach Geschlechtsunterschieden – oder zumindest nach deren Benennung. Und das meinen die auch noch ausdrücklich höflich.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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3 Antworten zu Vom Bedürfnis nach Geschlechtsunterschieden

  1. Inge schreibt:

    Ich warte noch auf die Studierendin.

    • Anna schreibt:

      Oder die Mensch*Innen

      • Heidrun Jänchen schreibt:

        „Menschin“ finde ich gar nicht so falsch. Schon in den 80ern habe ich einen Artikel über eben dieses Wort und seinen Gebrauch in der Literatur in der DDR-Zeitschrift „Sprachpflege“ gelesen.
        Und wenn man Bücher mit Elfinnen und Zwerginnen schreibt, dann kommt man unweigerlich an den Punkt, wo man merkt, dass „Frau“ für einen weiblichen Menschen ein untauglicher Begriff ist. Weswegen es „Menschin“ in meinen Texten schon längst gibt. Ohne Sterne und großes I allerdings.

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