Nationale Weihnachten

Zu den Nebenwirkungen des Daseins als Kommunalpolitiker gehört es, dass sich fremde Menschen bemüßigt fühlen, einem Weihnachtskarten zu schicken. Telefonseelsorge
Die schönste und anrührendste Karte kam von der Telefonseelsorge – offensichtlich eigene Fabrikation, mit einem Motiv, über das ich mir zwei Monate den Kopf zerbrochen habe, bis ich jetzt den Scan um 90° gedreht gesehen habe. Sie machte mich auch ein wenig verlegen. Womit hatte ich sie verdient? Indem ich der gar nicht so üppigen Budgetkürzung widersprochen hatte? Oder weil ich beim Stifterlauf als eine von zwei Stadträtinnen im Telefonseelsorge-T-Shirt so etwa 3 km um die Innenstadt gesockt war? Eigentlich müsste ich mich bei denen bedanken, denke ich, denn sie retten für nichts als gute Worte Menschen, die verzweifelt sind. Vielleicht brauche ich sie irgendwann einmal – man trifft sich ja immer mehrmals im Leben.
Das krasse Gegenteil trudelte gerade eben ein, weil der Brief im allgemeinen Piraten-Postfach gelandet war. Wie um alles in der Welt muss jemand drauf sein, um auf eine Weihnachtskarte ein Bild von sich beim Schwenken der Deutschlandfahne zu drucken? Was es schlimmer macht: Im Hintergrund sieht man die Menge einer AfD-Kundgebung auf dem Erfurter Domplatz. Da predigt man allwöchentlich, dass man Josef, Maria und das Jesuskindlein besser an der Stadtgrenze von Bethelehem im Schnee stehen lassen sollte, weil ansonsten nicht mehr genug Futter für Ochs und Esel da ist.
Einen guten Start ins neue Jahr wünscht mir Frau Muhsal, die sehr junge, sehr blonde und sehr katholische Landtagsabgeordnete der AfD. Womit habe ich das verdient? Glaubt sie, ich würde in absehbarer Zeit einsehen, dass das Projekt Piraten gescheitert ist, und bei der AfD anklopfen? Hat sie mal die Programme nebeneinander gelegt? Aber vielleicht meint sie, der einzige Grund für politisches Engagement müsste notwendigerweise Karrierismus sein.

Muhsal
Immerhin ist ihr Wunsch in Erfüllung gegangen. In Jena standen der AfD zweieinhalbtausend Menschen im Weg, friedlich und entschlossen. Das war ein guter Start.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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