Es ist nicht alles Gold: Solidago canadiensis

Goldrute2Manch invasives Gewächs ist hier so erfolgreich, dass es die meisten für einen natürlichen Bestandteil der Vegetation halten. Eines davon ist die Kanadische Goldrute. Sie wächst praktisch überall, auch auf dem Hang unter Nachbars Blautanne, der nicht nur eine verkappte Industriemüllkippe ist, sondern auch kaum Wasser abbekommt. Es ist eine ökologische Wüste, wo selbst Zitronenmelisse und Bohnenkraut verkümmern.
Das stört die Goldrute nicht. Eines Tages war sie da, und es kostete Überwindung, sie auszureißen und den Hang der Verwüstung zu überlassen. Im Stadtgebiet von Jena findet man sie praktisch überall, wo nicht regelmäßig gemäht oder gejätet wird. Da sie eigentlich recht dekorativ aussieht, steht sie auch in so manchem Garten, und auf dem Markt ist sie regelmäßiger Bestandteil von Bauernblumensträußen. In Jena wurde schon 1850 berichtet, dass sie als „Gartenflüchtling“ verwildert.
Sie ist trotzdem fremd. Es gibt auch (noch) eine einheimische Goldrute, aber die verschwindet langsam. Genau das ist das Problem an invasiven Arten: Die anderen verschwinden. Solidago canadiensis ist der Normalfall: anspruchslos und widerstandsfähig und mit einer enorm hohen Samenproduktion. Die Samen haben wie die des Löwenzahns Fallschirmchen und können deshalb weit reisen. Gern siedelt sich die Goldrute auf Schutt- und Brachflächen an, aber sie mag auch Magerrasen – das sind die blütenübersäten Grasflächen auf den Jenaer Hochplateaus. Sie hat hier keine Feinde außer den besorgten Ökologen.
Abschneiden oder ausreißen, ehe sie verblüht ist, empfiehlt das Bundesamt für Naturschutz. Und dann was anderes hinpflanzen. Ich werde mal einen Versuch mit Hauswurz machen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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7 Antworten zu Es ist nicht alles Gold: Solidago canadiensis

  1. Tobias Schäfer schreibt:

    Auch hier im Weimarer Land ist sie weit verbreitet, unsere Nachbarn lassen regelmäßig einen schönen runden Bestand von ihrer allsamstäglichen Rasenmäherrunde verschont; so ist es auch kein Wunder, dass sie sich unaufhaltsam in den nahen Wald vorarbeitet … Die Zackenschote habe ich letztes Jahr auch schon gefunden, den Seidenspinnerbaum zum Glück noch nicht. Ich versuche bereits, die Problematik an den Heimatverein heranzutragen, um die Aktivisten des Dorfs zu erreichen. Die interessiert jedoch nur, wie man das Dorf dörflicher machen könnte, und dass man dabei tunlichst auf Schafe und Hühner zu verzichten habe …

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Bei der Zackenschote hätte ich einen Tipp: Mein Kollege meint, seine Pferde mögen das Zeug gar nicht und weiden immer säuberlich rundrum. Außerdem können die fleischigen Strünke im Heu schimmeln, weil sie schlecht trocknen.
      Falls im schaf- und hühnerfreien Dorf noch jemand Heu brauchen sollte … Wie bescheuert ist das eigentlich – Dorf ohne Hühner? Und Schafe krähen noch nicht enmal!

      • Inge schreibt:

        Ich habe neulich mit einem Bauern im Erzgebirge geplaudert, der hat seine Schafe durch Alpakas ersetzt, weil die nicht blöken. Außerdem sehen sie viel knuffiger aus… Sind das auch invasive Arten? Wie unterscheidet man eigentlich die kanadische von der normalen Goldrute? Nicht dass ich die falsche rausreiße…

      • Ein Hirte schreibt:

        Hallo Inge, die Unterscheidung fällt leicht, wenn man weiß, dass es in Europa nur eine einheimische Art gibt, nämlich die Gewöhnliche Goldrute, die auch wirklich völlig anders aussieht: https://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnliche_Goldrute
        Also, auf lustiges Ausreißen!

      • Heidrun Jänchen schreibt:

        Danke für den Link! Da hätte ich auch selbst drauf kommen können, den im Text unterzubringen.
        Tatsächlich gibt es neben der kanadischen auch noch die Riesengoldrute, die aber auch zu den Invasoren gehört, sehr ähnlich aussieht und ausgerissen werden darf.

      • Heidrun Jänchen schreibt:

        Solange die Alpakas nicht in der freien Natur herumlaufen und sich eigenständig vermehren, sind sie nicht invasiv. Auch gegen Mais, Kartoffeln und Tomaten spricht nichts. Bei denen sammelt man die Vermehrungsorgane nämlich akribisch ein, und selbst wenn eine Tomate mal an falscher Stelle aufgeht, erledigt sie der nächste Frost. Aber Alpakas wären wahrscheinlich gut geeignet, um sich hier zu etablieren, falls ihr Fressfeind nicht gut auf sie aufpasst.

      • Ein Hirte schreibt:

        So locker kann man das hier nicht sehen, immerhin liegt Saalborn am Goethewanderweg, und wenn da ein gestrenger Wandersmann daher kommt, kann man ihn doch nicht mit dem Lärm, dem Unrat und der Unordnung von Tieren konfron-Tieren! Aber ich bin ja auch erst vor drei Jahren zugezogen, da muss man auch sehen, dass ich hier ja weder was zu melden hätte noch sonstwie integriert wäre. Aber ich arbeite dran 😉

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