Das schöne Gift: die Robinie

Robinie

Diese Robinie hatte man eigentlich schon gefällt, um den Kalksteinfelsen zu schützen. Stört sie aber nicht.

Die wohl problematischste invasive Pflanzenart dürfte die Robinie sein. Nicht weil sie so wahnsinnig aggressiv wäre, sondern weil sie etliche Fürsprecher hat.
Robinien haben ein sehr gutes Holz, das nicht fault, biegsam, fest und hart ist. Ähnliche Eigenschaften findet man sonst nur bei Tropenhölzern. Das weckt Begehrlichkeiten bei der industriellen Forstnutzung. Die um Jena heimische Buche kommt da nicht mit. Es gibt sogar kurzsichtige Umweltschützer, die meinen, Robinienanbau bei uns sei doch besser als die Abholzung des Regenwaldes. Nein, ist er nicht. Er ist nur anders schädlich.
Auch die Imker mögen die in Mai und Juni üppig blühenden Bäume. Das Ergebnis kommt als „Akazienhonig“ auf den Markt. Das ist Unsinn, hat sich aber so eingebürgert. Der Honig ist dünnflüssig und hell und deutlich teurer als etwa der Lindenblüten- oder Rapshonig.
Schließlich wären noch die Baumschulen und Gartenbaubetriebe und ökologisch unterbelichtete Stadtarchitekten, die die „Blühaspekte“ preisen. Das Wort verstößt gegen das Folterverbot, aber das ist weniger wichtig. Die Robinie hält alles aus, was gedankenlose Stadtplaner Straßenbäumen zumuten: Salzeintrag, Bodenverdichtung, Versiegelung, Trockenheit, Hitze – bis hin zu Rauch und Ruß. Noch resistenter ist eigentlich nur ein Plastiktannenbaum. Manche Leute erwarten von Bäumen nur, dass sie irgendwie grün aussehen und Schatten werfen. Sie können einen grünen Sonnenschirm nur im Herbst von einem Baum unterscheiden, weil er kein Laub abwirft. Auf ökologische Einwände reagieren sie mit einem genervten: „Sieht doch gut aus, oder?“
Mit anderen Worten: Die Verbreitung der Robinie wird weitgehend vom Menschen betrieben. Der Baum selbst muss sich gar nicht so sehr anstrengen. Allerdings samt er auch schon nach wenigen Jahren aus, die Samen fliegen etwa 100 Meter weit, und wenn man den Baum absägt, schlägt er aus den Wurzeln wieder aus. Wie der Götterbaum sprießt sie gern aus Bahndämmen und verursacht da entsprechenden Aufwand für die Bekämpfung. Außerdem verändert die Robinie das Erdreich und gefährdet damit vor allem Magerrasenbiotope. Als typischer Schmetterlingsblütler lebt sie mit Knöllchenbakterien in Symbiose und reichert Stickstoff im Boden an. Das ist das Gegenteil von mager, und deshalb gehen die entsprechenden Hungerspezialisten schnell verloren. Stattdessen fühlen sich da Stickstoffjunkies wie Brennnessel und Giersch wohl. Offene Flächen liebt sie zudem ganz besonders, weil sie viel Sonne braucht.
Die gesamte Pflanze ist übrigens stark giftig, weswegen es eine besonders dumme Idee ist, sie auf Spielplätzen anzupflanzen. Immerhin hat sich inzwischen ein Schädling gefunden, die Robinien-Miniermotte. Was daraus noch wird, weiß kein Mensch.

Ich habe kein wirklich schönes Robinien-Foto und verweise deshalb auf Wiki. Sobald das Zeug hier wieder blüht, vervollständige ich die Sammlung.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Das schöne Gift: die Robinie

  1. Inge schreibt:

    Ich würde den Robinien trotzdem eine Existenzberechtigung als Straßenbaum in der Großstadt zusprechen – eben wegen ihrer Unempfindlichkeit gegen diverse Schweinereien. Und angesichts der zunehmenden Trockenheit in unserer Gegend: Besser Robinien als gar keine Bäume, besser auch als Fichten- oder Kiefern-Monokulturen. Leider sind die schönen alten Robinien in unserer Straße in den letzten 10 Jahren bis auf drei Exemplare abgeholzt worden, und auch die Wurzeltriebe, die wir vor unserem Haus zu Bäumen hochpäppeln wollten, wurden vom Grünflächenamt gnadelnos niedergemacht…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Wir haben ja vorerst gar nicht beantragt, sämtliche Robinien im Stadtgebiet zu fällen, obwohl es bei uns beträchtliche Wildbestände gibt, um die sich keiner kümmert.
      Es gibt aber auch hochgradig widerstandsfähige, nichtinvasive Bäume. An einheimischen wären das vor allem Hainbuche und Feldahorn. Ausheimische Unverdächtige sind Ginkgo und Platane. Es gibt also Alternativen, und eine Platane ist ein wirklich schöner Baum, der sogar in der knochentrockenen Provence gut überlebt.
      Baumfällungen in der Stadt hängen meist mit der Verkehrssicherungspflicht zusammen. Das heißt: Man befürchtet, es könnte jemandem ein Ast auf den Kopf fallen. Die Kommunen reagieren oft ziemlich panisch und nach der Devise: Bloß kein Risiko! Man könnte beim Stadtrat anfragen, warum gefällt wurde und wann Ersatzpflanzungen erfolgen. Bei uns gibt es im Stadtrat dafür die Bürgerfragestunde – vor laufender Kamera und live übertragen.

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