Die Hölle beginnt hier

FraportEs ist wieder mal soweit: Flughafen. Frankfurt gehört zu den widerlicheren Exemplaren, und das beginnt damit, dass der Check-in aus Richtung des Sky-train nicht ausgeschildert ist.
In der Vorhalle demonstriert die halbe Umgegend gegen den Bau eines dritten Terminals und für ein Nachtflugverbot. Der Lärm ist infernalisch. Aber vermutlich ein Witz gegen das, was sie allnächtlich über den Köpfen haben.
Wenige Meter dahinter will man meine Bordkarte sehen.
Danach der Sicherheitscheck. Gehorsam ziehe ich meine Jacke aus, packe den Laptop aus dem Rucksack, den Pass aus der Hosentasche. Das reicht nicht. Aus meiner Hosentasche lugt ein Ende eines Taschentuchs. Also muss auch das vollgerotzte Tempo in die Kiste. Es ist peinlich, aber noch nichts gegen den Körperscanner. Füße  auseinander, Arme über den Kopf. Unbewusst warte ich darauf, dass einer „Auf den Boden, auf den Boden!“ schreit. Alles in Ordnung, meint das Gerät. Das reicht nicht, denn mein rechtes Handgelenk hat im Moment eine Tastatur-Allergie und trägt deshalb eine Bandage. Die muss runter und in aller Ausführlichkeit betatscht werden.
Am Ende des Scannerbandes türmen sich die Kisten: Laptops, Handys, Pässe, Portemonnaies. Jeder könnte alles mitnehmen, und die Sicherheitskräfte interessiert es einen Dreck. Die machen einfach weiter.
Das war’s, denke ich, und laufe geradewegs in die automatische Passkontrolle. Eine Frau versucht mir zu helfen, aber das ist nicht die erste automatische Kontrolle, die ich
sehe. „Ja, genau so“, sagt sie, und ich komme mir vor wie ein Schüler, der den Rand im Heft ordentlich gezogen hat. Aber die Gesichtserkennungssoftware hat Probleme mit
meinem genervten Ausdruck.
Das war … Nein. Unmittelbar hinter der automatischen Passkontrolle ist die manuelle Passkontrolle, und man winkt mich freundlich näher, schaut angewidert in meinen Pass,
scannt ihn. Ich platze fast an der Frage, warum man eigentlich das automatische Dings installiert hat, wenn man dann doch noch mal händisch kontrolliert. Nein, das ist nicht
mein erster Flug, und ich habe gelernt, dass Klugscheißerei bei Leuten von der Grenzkontrolle gar nicht gut ankommt.
Dann darf ich tatsächlich aufs Gate, und ich weiß: Es ist das Tor zu zehn Stunden Hölle in einer Sardinenbüchse, nur ohne Öl.
Danke, dass Sie sich für den Flughafen Frankfurt entschieden haben, tönt es weichgespült aus den Lautsprechern. Haben die eine Ahnung …

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Das Universum & der Rest abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s