Mensch Meyer!

2012 vermeldeten alle Jenaer Medien die Erkenntnisse des Mainzer Soziologen Prof. Günter Meyer, der seit der Wende die Einkaufs- und Konsumentenlandschaft in Jena erforscht: Die Jenaer fanden in der Befragung von 2010 ihre Innenstadt nicht mehr ganz so attraktiv und nörgelten am Einzelhandel herum. Es hatten 6 % statt „sehr attraktiv“ nur „attraktiv“ angekreuzt – ein gefährlicher Absturz! Nicht erwähnt wurde, dass volle 86 % eins von beiden wählten. Außerdem kauften die Jenaer nicht nur in Jena, sondern auch in Erfurt oder Leipzig ein.
[Ich habe vor rund vier Monaten in Leipzig eine Kakaomilch und ein Stück Kuchen gekauft – und mich damit auch für diese Kategorie qualifiziert. Von der Bratwurst in Erfurt ganz zu schweigen …]

AngewandteGeographie_GuenterMeyer

Aus der Meyerschen City-Studie. Hm, Zehnerpotenzen sind so ein Ding …

Das war der Startschuss für den Versuch, den Bürgern ein ECE-Einkaufszentrum aufzudrängen, mit aller Macht. Weil sie es angeblich wollten.
2012 hatte Meyer wiederum die Jenaer Passanten befragen lassen. Ich fragte 2013, als der Kampf um Eichplatz und ECE-Center auf dem Höhepunkt war, bei ihm nach den Ergebnissen. Die lagen noch nicht vor. Der Professor war überlastet, und keiner seiner Studenten in der Lage, die Antworten auszuzählen. Man hörte nie wieder von der City-Studie.
Bis letzte Woche. Da stand in der Lokalzeitung, der Mainzer Professor schicke seine Studenten zum 19. Mal zur Befragung der Jenaer Bürger in die Fußgängerzone. Mutmaßlich hat er das auch 2014 schon getan, denn eine derart lange Zeitreihe würde man doch nicht einfach unterbrechen, nur weil man gerade überlastet ist, oder? Ergebnisse gibt es noch immer nicht. Aber in der Zeitung verkündete Professor Meyer, an großflächigem Einzelhandel gäbe es in Jena keinen Bedarf mehr, und eine Mischung aus kleinteiligem Handel, Wohnen und Grünfläche sei für den Eichplatz wohl das Beste.
Hört, hört! Nachdem 62 % der Jenaer das Einkaufszentrum abgelehnt haben und eine Bürgerbeteiligungsgruppe eine Mischung aus kleinteiligem Handel, Wohnen und großer Grünfläche für den Eichplatz festgelegt hat, traut sich auch der Wissenschaftler wieder an die frische Luft. Unabhängigkeit der Forschung! Schaun wir mal, was die Jenaer ihm dieses Jahr antworten. Vielleicht kommt er sogar dazu, einen Studenten mit dem Auszählen der Antworten zu beauftragen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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