Vom Geschlecht der Behörden

Die Stadt Jena versucht gerade, ihr Integrationskonzept fortzuschreiben. Das ist zunächst einmal eine sinnvolle Sache in einer Stadt, in der 12 % der Einwohner entweder selbst zugewandert oder Kinder von Migranten sind.
Allerdings gehört Integration zu den Bereichen, in denen politisch korrekte Ausdrucksweise weit wichtiger ist als Verständlichkeit oder gar Inhalt. Wer glaubt, Mathematiker würden sich unverständlich ausdrücken, der kennt die Soziologen noch nicht.
Enstsprechend wird gnadenlos gegendert. Auch die Stadtverwaltung Jena. Die würde der normale Bürger für etwas halten, das weder ein biologisches noch gefühltes Geschlecht hat, sondern ausschließlich ein grammatisches. Das ist weiblich. Weit gefehlt! Im Konzept steht, die Stadtverwaltung sei „vorurteilsfrei_r Dienstleister_in“.

Integrationskonzept

Dieses Wunderwerk sensibler Formulierung steht ausgerechnet unter „Abbau von Sprachbarrieren“

Grammatisch wäre beides richtig, obwohl bei Abstrakta das Geschlecht in aller Regel nicht angeglichen wird. Man kann die Stadt zur Dienstleisterin machen, aber „Die Stadt ist Dienstleister“ hört sich kein bisschen seltsam an.
[im Gegensatz zu „Jena und sein Fluss“, wie der Titel einer Broschüre lautet, der auf mein Grammatik-Organ wirkt wie quietschende Kreide auf die Ohren, obwohl er, wie ich immer wieder feststelle, formal korrekt ist. Die Stadt ist so weiblich, dass das männliche Pronomen Schmerzen bereitet. Ich hätte „Jena und die Saale“ getitelt. Die Saale ist nämlich auch enorm weiblich und nicht einfach irgendein Fluss – der zudem nicht der Stadt gehört, sondern der Oberen Wasserbehörde des Landes.]
Aber was ist dann mit Sätzen wie „Der Jenaer Verkehr ist eine Katastrophe“? Ist der Verkehr – gendergerecht – ein Katastropher? Immerhin wissen wir nun, dass auch Behörden ein Geschlecht haben, das man gendersensibel ansprechen muss.
Spannenderweise sind es gerade die Sprachgenderungsfetischisten, die der Normalbevölkerung mangelnde Achtsamkeit und Gedankenlosigkeit vorwerfen. Nebenbei ist es auch inhaltlicher Mumpitz, ausgerechnet professionell übersetzte Seiten in leichter Sprache zur Verfügung zu stellen. Beim deutschen Original wäre das weit sinnvoller. Aber um diesen Unfug zu bemerken, braucht es schon Sprachgefühl und nicht nur sensible Sprache.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Vom Geschlecht der Behörden

  1. Jenenserin schreibt:

    man sieht dieser Satz Scheiße_r aus.

  2. Pingback: Das KISS-Prinzip | Heidrun Jänchen – Aurora schießt quer

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