Karo Lusche

Wir kennen das: allgemeines Tohuwabohu in der Klasse, jeder gegen jeden, und am Ende ist die Fensterscheibe kaputt, ohne dass einer wüsste, wie es passiert ist. Schlagartig setzen sich alle brav auf ihre Plätze und schauen betreten zu Boden. Sie sind so brav, dass der Lehrer sofort nach Öffnen der Tür die Bescherung sieht. Die Frage ist unausweichlich: „Wer war das?“
Alle schauen weiter betreten zu Boden, nur einer meldet sich. „Ich war nicht dabei. Ich war auf Toilette.“
Inzwischen glaube ich, auch der Lehrer verdreht innerlich die Augen. Die Klasse kassiert eine Kollektivstrafe – bis auf den Pisser. Aber der … Ach was, das wisst ihr ja schon.
Die SPD war auch gerade Pinkeln, als in Berlin regiert wurde.
Die Regierung hat den Armutsbericht frisiert. Dass Reiche mehr Einfluss auf die Politik haben, wurde zwar wissenschaftlich nachgewiesen, aber im Bericht gestrichen. Auch der Einfluss der Lobbyorganisationen sollte lieber nicht bekannt werden. Was Ministerin Nahles von der SPD schließlich veröffentlichte, war nur die halbe Wahrheit. Und was macht die SPD? Klopft sich auf die Schulter! Die böse CDU war’s!
spdwerbung_
Da 2017 gewählt wird, schiebt man gleich noch ein bisschen Wahlwerbung hinterher. Sie sind hoffentlich hinter ihren Wahlplakaten in Deckung gegangen, denn der Shitstorm auf Twitter hatte es in sich. Nicht nur, dass sich das Wahlvolk an die Mehrheitsverhältnisse im Bund erinnerte. Rosa-Rot-Grün hätte da 9 Stimmen Vorsprung. Aber die Linke hätte verlangt, dass man sozialdemokratische Politik macht, und das geht mit der SPD nun gar nicht.
Auch alle anderen Sünden kamen hoch: HartzIV, Hungerrenten, Entgrenzung der Leiharbeit, Niedriglöhne … Die erste deutsche Kriegsbeteiligung nach dem 2. Weltkrieg wollen wir mal nicht vergessen. Hat schon jemand gehört, dass die SPD gegen den ständig steigenden Verteidigungs … äh … Kriegsetat protestiert hätte? Nee, das ist ja die böse CDU, die das plant. Die gute SPD würde das Geld natürlich für soziale Zwecke wie bedingungsloses Grundeinkommen, mehr Lehrer und bessere Finanzierung der Kommunen ausgeben.
Mit ihrem Tweet zeigt die SPD vor allem eines: Was sie da in Berlin tut, das ist betreutes Regieren. Wir sollen sie 2017 wählen, weil politisch besonders Herausgeforderte nach dem Inklusionsgesetz auch eine Chance bekommen müssen. Denn wenn sie einen Arsch* in der Hose hätte, dann würde sie den ungekürzten Bericht veröffentlichen und die Koalition platzen lassen.

* Genauer gesagt: rund 440.000 Ärsche in ebensovielen Hosen.
** Eigentlich ist es ja Schell-Lusche, die zu sprichwörtlich nichts zu gebrauchen ist, aber die Entsprechung im französischen Blatt ist rot.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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