Angewandte Physik 4: Was ist eigentlich Lebensdauer?

engel_eieruhrBei der Glühbirne ist die Lebensdauer ziemlich klar definiert. Irgendwann macht es „bing!“, und es ward nicht Licht, sondern ein Fluch.
Bei LED ist das anders – es hängt von der Definition ab. In der Literatur kreisen Werte zwischen 20.000 und 60.000 Stunden. Das klingt verdammt viel. Die am häufigsten angegebenen 50.000 h sind eindeutig aus dem Prospekt von Osram abgeschrieben. Der Wert gilt für die definierten Verhältnisse eines Wohnraumes. Automobil-Zulieferer nehmen 30.000 h an, weil die Umweltbedingungen im Auto weniger ideal sind. Etwa so wie die für Straßenlampen. Wenn eine Straßenlampe im Mittel 10 h pro Tag leuchtet, käme man damit auf etwa 8 Jahre. Das spart Geld. Vor allem spart man sich damit den Menschen, der die Dinger wartet.
Diese Zeit gilt für den LED-Chip, der ziemlich unkaputtbar ist. Aber eine LED ist keine Glühbirne, die man einfach an einen Draht anschließt. Sie braucht Elektronik. Wie lange die hält, sagt keiner. Mein Kollege, der mir das Spektrometer geborgt hat, berichtete, er habe wieder eine übel flackernde LED-Lampe entdeckt. Vermutlich hat die Elektronik die Kälte der letzten Tage nicht vertragen. Ob man jetzt Elektronik oder Lampen tauscht, ist vom Wartungsaufwand her kein Unterschied. (Übrigens frisst die Elektronik auch Strom, und das kann die Effizienz um 20 % drücken – wovon niemand redet).
Hinzu kommt der Dreck. Logischerweise strahlt eine saubere Lampe mehr Licht ab als eine eingedreckte. Dazu gibt es sogar Untersuchungen. Die wirksamste Energiesparmaßnahme ist tatsächlich – Lampen putzen (mal ganz abgesehen vom Dshinni, der dann vielleicht erscheint und uns Wünsche erfüllen würde). In 8 Jahren sammelt sich eine Menge Dreck an. So lange sollte man nicht warten.
Und was passiert eigentlich am Ende der Lebensdauer? Nichts. Die Lebensdauer ist eine Definitionsfrage. Am häufigsten wird definiert, dass die Lebensdauer am Ende ist, wenn die LED nur noch 50 % des ursprünglichen Lichtes abstrahlt. Bei gleicher Leistungsaufnahme übrigens. Das heißt einerseits, dass es in 8 Jahren in der Stadt ziemlich dunkel sein wird. Andererseits reduziert es die tatsächliche Effizienz. Die Lichtleistung fällt normalerweise am Anfang stärker ab als am Ende, aber nehmen wir der Einfachheit halber mal einen linearen Verlauf an. Dann sackt die Effizienz von 150 auf 112 lm/W im Mittel. Blöd, oder?
Einen Vorteil hat es natürlich: Sollte die Lichtstadt Jena in 8 Jahren wegen all der ebenso schönen wie teuren Klimaschutzprojekte kein Geld mehr haben, dann kann man die trüben LED einfach weiterfunzeln lassen, ohne dass es so ganz dunkel wird. Die Lichtstadt wäre dann nur ziemlich duster.

Ich glaube, das war jetzt wirklich alles zum Thema. Oder hat noch jemand Fragen?

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Angewandte Physik 4: Was ist eigentlich Lebensdauer?

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