Grüne Invasion: Die Pseudo-Tanne

Früher stand vor unserem Küchenfenster ein „Tannebaum“. Der Baum war unendlich alt und hoch wie das Haus, bis man herausfand, dass er gar keine Tanne war – sondern eine Douglasie. Die war damals eine Seltenheit. Als man sie fällte, trug sie gerade zum ersten Mal Früchte.
Inzwischen ist sie häufiger. Zwar sind nur 2 % des deutschen Waldes mit Douglasien bewachsen, aber da sie schnellwüchsig ist und ordentliches Holz liefert, wird sie gern gepflanzt. Zwischen 2002 und 2012, sagt Wikipedia, nahm ihr Bestand um 35.000 ha zu – ein Flächenzuwachs von 16 % in zehn Jahren.
Das Bundesamt für Naturschutz führt sie auf der Schwarzen Liste für invasive Arten, die Forstwirtschaft – wen wundert’s – widerspricht. Invasive Pflanzen machen sich nicht irgendwann auf den Weg und wandern nach Europa, sie werden von Menschen eingewandert. Meist aus wirtschaftlichen Gründen.

(auf ein Bild klicken, um die Galerie zu öffnen.)
Der Baum sieht einer Fichte (nein, nicht der Tanne) ziemlich ähnlich, und ich wäre nicht in der Lage, sie aus der Ferne zu unterscheiden. Am einfachsten kann man sie an den Zapfen unterscheiden. Die haben, erklärte ein Schild auf einem forstbotanischen Lehrweg, ein „dreizipfeliges Deckblatt“ auf den Samen. Das ist ziemlich auffällig, und die Kusteln sind kürzer als normale Fichtenzapfen. Auch sind die Nadeln der Douglasie weicher und stehen mehr kreuz und quer, während die harten Fichtennadeln recht geordnet links und rechts abstehen.
Nadelbäume machen zwar unwahrscheinlich viele Samen, sind bei der Verbreitung aber erfreulich erfolglos. Der Kienapfel fällt nicht weit vom Stamm, die Douglasienkustel auch nicht. Da sie sehr, sehr viel Licht wegschlucken, bleibt für potentiellen Nachwuchs am Boden nicht viel übrig. Er murkelt und geht ein. Außerdem brauchen sie unendlich lange, bis sie überhaupt Zapfen produzieren. Deshalb findet man die Douglasie anders als Götterbaum und Robinie noch nicht an jedem Straßenrand. Aber sie fühlt sich wohl in Deutschland, wo es nicht zu fußkalt ist.
Und deshalb ist es keine gute Idee, Douglasien in Gärten, Parks oder Forste zu pflanzen, auch wenn sich das Zeug gut verkaufen lässt.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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Eine Antwort zu Grüne Invasion: Die Pseudo-Tanne

  1. Evelyn schreibt:

    Oh ja, gerade gestern habe ich mich wieder über die Monotonie mit den vorherrschenden Nadelgehölzen in den Gärten von Eigenheimbesitzern aufgeregt und das Fehlen von Laubbäumen und laubabwerfenden Sträuchern beklagt. Ist zwar jetzt an der Douglasie vorbei, doch finde ich, sehr wohl angebracht.

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