Normal ist das nicht

Haus_FCC

Wer sein Haus gelb und weiß streicht, ist praktisch selbst schuld, wenn jemand blau ergänzt.

Dienstag. Man erzählt uns im Sozialausschuss, der Stadionumbau würde wohl teurer werden. Jedenfalls verlangt die Polizei Umbauten an einer Brücke und einer Eisenbahnunterführung, um Gästefans gefahrlos zum Bahnhof treiben zu können. Würde 5 Mio. € kosten.
Mittwoch. Firmenlauf im Ernst-Abbe-Sportfeld und im umgebenden Paradies. Knapp 3000 Teilnehmer, die äußerst friedlich ihre Runde durch die Saaleaue drehen, schwitzen, keuchen, jubeln, feiern. Alle zehn Minuten werden sie ermahnt, auf gar keinen Fall auf den Rasen zu treten, damit dem kostbaren grünen Teppich auch kein Halm gekrümmt werde.
Donnerstag: Relegationsspiel, der FCC gewinnt. Anschließend stürmen die Fans das Stadion, zerlegen die Tore und buddeln Souvenirs aus. Der grüne Teppich sieht aus, als wären die Motten drin. Die Polizei äußert sich enttäuscht, zumal sie offenbar auch noch mit Böllern beworfen wurde. Dabei hatten die Fans gerade gelobt, sich an die Regeln zu halten, damit ihnen die Polizei im Gegenzug erlaubt, weiter in ihrer Südkurve zu stehen, die so etwas wie die Heilige Stadt der Heimfans ist. Was macht die organisierte Fanszene? Entschuldigt sie sich? Bietet sie Schadenersatz an? Nö. Sie gibt sich beleidigt und erklärt, das sei kein Vandalismus gewesen, sondern alles ganz normal.
Deutlicher, glaube ich, kann man nicht zeigen, dass man den letzten Pfiff noch nicht gehört hat. Weswegen wir im Stadtrat beantragt haben, den Quatsch mit der Südkurve ein für alle Mal zu beerdigen, denn schon beim Umbau schlägt sie mit 400.000 € Mehrkosten zu Buche. 400.000 € sind eine Irrsinnssumme, mehr als das Doppelte dessen, was alle Sportvereine der Stadt pro Jahr als Zuschuss bekommen. Wir feilschen um zwei Sandsäcke, einen Schaukasten, eine BuFDi-Stelle, die Kosten für die Reinigung einer Dachrinne … Um Krümelkäse. Aber beim Fußball kann es kaum teuer genug werden. Das Gesamtprojekt ist inzwischen bei 52 Mio. € angelangt.
Im Stadtrat ergehen sich alle in Lobreden auf unsere tollen Fans. Es ist normal, nach einem gewonnenen Aufstiegsspiel den Rasen mit nach Hause zu nehmen. Alles bestens, kein Grund zur Aufregung, und kostet auch nur Steuergeld. Nur die 3000 Ausdauerläufer, die werden sich wegen ihrer Renitenz, mit der sie da und dort auf den Rasen getreten sind, eine neue Bleibe suchen müssen. Denn die mit Steuergeldern trefflich neu gebaute Laufbahn (ein Vergnügen!) wird man herausreißen, damit es die Fans beim nächsten Stadionsturm nicht so weit haben.
Muss man nicht verstehen.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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