Wer? Eine Frau?

Doctor Who war Liebe auf den zweiten Blick. Auf den ersten fand ich es sagenhaft albern und ging Kuchen backen. Bei der zweiten Folge verliebte ich mich in Christopher Ecclestone, der den Doktor so cool spielt, dass es hinter ihm schneit. Er rettet beständig die Welt, aber er ist kein bisschen ernsthaft, verantwortungsbewusst oder wohlerzogen, im Gegenteil: Er ist dreist, leichtsinnig und unverschämt. Und ein bisschen einsam. Er zeigt, dass Weltretten keine so ernste Sache ist. Mitten in der größten Katastrophe, während ringsum alles in Flammen aufgeht und ein Dutzend Soldaten mit automatischen Gewehren auf ihn zielt, wirkt er immer noch, als hätte er den Spaß seines Lebens. Mit anderen Worten: Er war ein großartiges Vorbild für alle, die die Welt auf den Kopf stellen möchten. Und Weltretten ist nichts für Leute, die alle Tassen in Reih und Glied im Schrank stehen haben.
BBC hat gerade Doktor Nr. 13 angekündigt: Jodie Wittaker. Seither brodelt es im Web. Ich vermute, es hat immer gebrodelt, weil jede Veränderung lieber Gewohnheiten zu Gebrodel führt. Aber diesmal brodelt es aus naheliegenden Gründen ein bisschen mehr. Jodie ist ein Mädchen. Huch!
Es gibt eine reichliche Zahl von Frauen, die begeistert sind und meinen, das sei auch mal an der Zeit gewesen. Auf der anderen Seite gibt es so selten dämliche Sprüche, dass man sich fragt, wer sich freiwillig zu einem derart rückständigen Weltbild bekennt. Etwa den:

doctor13

Realitätscheck: In heutigen Krankenhäusern gibt es mehr weibliche als männliche Doktoren, und man sorgt sich, dass das Ansehen der Ärzte drunter leidet …
Nicht weniger idiotisch:

Tardis

Hier zitiere ich mal die MythBusters, die in einem Test feststellten, dass Männer schneller einparken, aber Frauen seltener anstoßen …
Außerdem gab es noch den herzigen Spruch: „Ich würde ja gern die Welt retten, aber da hinten gibt es gerade Schuhe im Sonderangebot.“
Jungs, wie um alles in der Welt kann man auf die Idee kommen, mit dem Verlust des Schwanzes würde man die Fähigkeit zum Steuern eines Raumschiffes verlieren? Oder einen Schuhfetischismus entwickeln? Womit, glaubt ihr, denkt der Mensch? Oder der Timelord? Was das Schlimmste ist: Das sind mutmaßlich Fans einer Science-Fiction-Serie, und sie reden daher wie meine seit bald 40 Jahren tote Großmutter!
Diese Klischees aus der Mottenkiste ganz hinten sind genauso albern, als würde man von einem männlichen Doktor behaupten, er fände die Gangschaltung der Tardis nicht, weil alles voller benutzter Socken und Pizzaschachteln liegt. Oder – ich kann auch blöd sein -: „Ich würde ja gern die Welt retten, aber heute ist Champions League.“
Ich denke, es ist eine spannende Idee, und Doktor Nummer 13 (ausgerechnet 13!) wird gewiss nie in einem rosa Handtäschchen nach ihren Schallschraubenzieher kramen. Es ist eine großartige Gelegenheit, mit den Klischees zu spielen, die sich da gerade so kindisch Bahn brechen. Schaun wir mal.
Von mir wird man weiter in den unpassendsten Momenten hören: „Ich bin der Doktor, und das ist mein Löffel!“ Was nicht gelogen ist, denn ich habe einen Doktortitel in Physik und immer einen Göffel im Rucksack. Man weiß ja nie.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Wer? Eine Frau?

  1. Matcha schreibt:

    > und Doktor Nummer 13 (ausgerechnet 13!) wird gewiss nie in einem
    > rosa Handtäschchen nach ihren Schallschraubenzieher kramen.

    Das ist schade!

    Meine Frau würde einen rosa Schallschraubenzieher zum rosa Handtäschen bevorzugen, macht die Weltrettung farblich für sie erfreulicher; schließlich besitzt sie eine rosa Spiegelreflexkamera, natürlich mit rosa Hello Kitty Anhänger daran, also passt ein rosa Schraubendreher bestens. Ihre Geldbörse hat rosa Hasengesicht und dazu lange Ohren, die wackeln – und sie käme von der Weltrettung mit einem rosa Rucksack – angefüllt mit Schuhen – wieder zurück; Göffel wäre allerdings draußen, denn es müsste noch Platz für einige Overknees geschaffen werden.

    Nach der Weltrettungsaktion säße sie wieder in ihrem Arbeitszimmer, wo sie ihre Geschäftsparter und Angestellten empfängt und die einzige Farbe in dem komplett weißen Raum ist ein dunkelrosaroter Stuhl, eher Sessel mit hoher Lehne, in Form eines High Heels.

    Und ein rosa Häschen ist an ihrem schwarzen Motorrad auch noch befestigt – doch, sie besitzt ein zweites Motorrad, weitgehend in Rosa, mit ein paar silbernenen Applikationen, das hat aber keine Straßenzulassung, weil für Rennstrecken optimiert.

    Warum also sollte Rosa schlecht sein für Nr. 13?

    > Womit, glaubt ihr, denkt der Mensch?

    Männer mit dem Schwanz, Frauen mit dem Fuß im Schuh, die Anderen haben die Chance mit beidem zu denken, wären somit im Vorteil: drei Gehirnzellen gegen zwei bei der Frau und einer beim Mann.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Mal abgesehen davon, dass Schuhekaufen für mich der Alptraum schlechthin ist …
      Sie ist immer noch der Doktor, und der Doktor fällt im Durchschnitt nicht durch eine Vorliebe für Rosa oder modische Schuhe auf. Im Trailer trägt sie ein schwarzes Kapuzenshirt (schwarzer Block?!), einen dunklen Mantel und flache, dunkle Stiefel. Im Wald wären High Heels auch irgendwie doof. Was mich vermuten lässt, dass ihre Vorstellung von Kleidung eher meiner entspricht.
      Als Autor hingegen denke ich, dass man sie mit Rosa blamieren würde. Wie im wirklichen Leben muss die erste Frau Doctor cooler, intelligenter und härter sein als je zuvor. Das wird ihr vermutlich gelingen – sie war ja bereits alle 12 Inkarnationen davor. Wir können Wetten abschließen, welche Farbe der Schallschraubenzieher künftig hat. Blau, glaube ich.

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