Gelbe Alternativen

Nein, noch ist nicht Wahlkampf – es geht um Grünzeug bzw. im konkreten Fall um Gelbzeug.
Invasive Pflanzen sind eigentlich überhaupt nicht invasiv. Kein Götterbaum in China zieht die Wurzeln aus der Erde und ruft: „Auf, lasst uns Deutschland erobern!“ Auf natürlichem Wege würde er für die Strecke etwa 40.000 Jahre brauchen, wenn er sehr zielstrebig unterwegs wäre und nirgends ein Meer oder Gebirge dazwischen stünde. Nein, die Pflanzen werden eingewandert. Menschen meinen, sie seien doch eigentlich ganz hübsch oder nützlich, der einheimischen Natur müsste man auf die Sprünge helfen, und außerdem haben sie schlicht keine Ahnung.

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Einer dieser Fälle ist die Kanadische Goldrute, die ich selbst für eine einheimische Pflanze hielt, bis ich mich näher mit der Sache befasste. Sie steht überall, besonders im schönen bunten Bauerngarten. Da ist sie robust und pflegeleicht und blüht so schön gelb (die Vorbereitung für hunderte bis tausende Samen). Wenn der Gärtner seine Abfälle nicht ganz ordnungsgemäß in die freie Landschaft entsorgt, macht sie sich auf, die Welt zu erobern. Weil sie mit dem, was Ökologen Ruderalflächen nennen, gut zurecht kommt, also mit Bahndämmen, Schutthalden, Straßenrändern und Brachflächen aller Art, steht ihrer Verbreitung nichts im Wege. Sieht ja auch so schön aus.
Das tun andere auch. Die kanadische Goldrute hat eine europäische Schwester: die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea L.). Noch, muss man sagen, denn die hat es gegen die größere Verwandte nicht leicht (weswegen ich sie auch nicht auftreiben konnte). Aber sie ist sehr schön gelb.
Das hat sie mit einer anderen Pflanze gemein, die auch auf Ruderalflächen zu Hause ist, fast so groß wie die Kanadierin und ein wenig früher blüht: dem Rainfarn, der mitnichten ein Farn ist, sondern ein Korbblütler. Die Benennung von Pflanzen ist nicht immer logisch. Rainfarn kann man, wenn man sich die Mühe machen will, zum Färben verwenden. Je nach Kompliziertheit des Prozesses kommt ein Gelb oder Grün dabei heraus. Früher hat man ihn als Wurmmittel verwendet, aber da die Pflanze giftig ist, sollte man das lieber bleiben lassen. Sonst ist am Ende nicht nur der Wurm, sondern auch der Wirt erledigt. Aber der Rainfarn ist sehr schön gelb.
Als harmloses Heilmittel mit beschränkter Wirkung ist dagegen das Echte Johanniskraut bekannt. Angeblich hilft es gegen leichte Depressionen, Sonnenbrand, Rheuma, offenen Wunden und Verstauchungen. Auf jeden Fall aber sieht es gut aus, gelb natürlich.
Wer es mehr buschig mag, kann auch auf den Fingerstrauch zurückgreifen. Der braucht keine Pflege und blüht Jahr für Jahr fleißig vor sich hin. Und zwar wunderschön gelb und deutlich länger als die Goldrute.
Nichts ist alternativlos. Der ökologisch nützliche Garten muss nicht langweiliger aussehen als der mit Exoten aufgehübschte.

 

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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