Die Kleinredner

GruenBTW17_RedenInhalte sind im Wahlkampf diesmal nicht gefragt. Selten war mehr Bla. Ist ja auch besser. Wozu etwas versprechen, was man ohnehin nicht halten will?
Die Grünen haben mit dem Laberwahlkampf schon Anfang Juni begonnen. „Drüber reden.“ Prompt hat – wir sind hier in Jena – ein Bürger „Worüber?“ darunter geschrieben. Keine Antwort. Inzwischen plakatiert man auch noch „Kaffee mit Katrin“, und zwar Freitags 15 Uhr, damit sich auch bestimmt kein Berufspendler ins grüne Kaffeekränzchen verirrt – natürlich mit fair gehandeltem, veganem Kaffee.
Von ähnlicher Qualität sind die Themenplakate, die inzwischen hängen. Das zur Kinderarmut ist so unwiderlegbar wie aussagelos. Ja, kann man, und zwar beides. Man kann auch HartzIV als Ende der Diskriminierung Armer verkaufen. Da steht nicht: Wir wollen den HartzIV-Satz für Kinder um 20 % anheben. Da steht: Wir können das auch zulabern, bis es so aussieht, als gäbe es die Kinderarmut nur in Afrika. Das können die Grünen trefflich.
GrueneKinderarmutWir erinnern uns: 2003 wurde die Agenda 2010 beschlossen, einschließlich HartzIV – vermutlich eins der wenigen Gesetze, die nach einem verurteilten Kriminellen benannt wurden. Damals regierten die Grünen zusammen mit der SPD. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Thea Dückert, erklärte die Vorzüge des neuen Systems: „Dieses Angebot an die Menschen macht nicht nur Schluss mit der Diskriminierung der Sozialhilfe insgesamt, sondern es richtet sich vielmehr an alle, die mehr als drei Stunden täglich arbeiten können. Es wird in diesem Land auch sozialpolitisch viel verändern.“
Auch letzteres ist ein Satz ohne jede Aussage. Natürlich hat sich einiges geändert. Statt der Diskriminierung als Sozialhilfempfänger gibt es jetzt die Diskriminierung der HartzIV-Empfänger. Die ist natürlich viel besser. Besser diskriminieren – darum GRÜN! Die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld wurde gekürzt, und die Arbeitslosenhilfe, die über der Sozialhilfe lag, abgeschafft. Das heißt: Schneller in die Armut. Mancher Leiharbeiter – die Leiharbeit wurde auch von Rosa-Grün liberalisiert und gefördert – pendelt nur zwischen prekärem Job und HartzIV. Dazu meinte die Dückert: „Erstens wollen wir sicherstellen, dass in Deutschland ein faires System von Fördern und Fordern verankert wird. Zweitens wollen wir das Prinzip Working Poor aus Deutschland raushalten.“
Das hat ja prima geklappt. In Jena sind mehr als die Hälfte der HartzIV-Empfänger Aufstocker, also Leute, die von ihrem Lohn nicht leben können, vor allem nicht mit Kindern. Kinder sind für Alleinstehende nach wie vor das größte Armutsrisiko. Und die Grünen tun so, als hätten sie damit nichts zu tun, während sie Leuten die Leviten lesen, die im Supermarkt unfairen Kaffee, Eier von Käfighühnern und nitratbelasteten Salat kaufen, weil sie arm sind.

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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4 Antworten zu Die Kleinredner

  1. Pingback: Froschs Blog: » Im Netz aufgefischt #331

  2. Inge schreibt:

    Es stimmt ja nicht, dass die Grünen keine konkreten Ansagen machen. Heute steht bei uns in der Zeitung, dass die Grünen nur koalieren, wenn sie Autos mit Verbrennungsmotoren abschaffen dürfen. Sehr schön – keine stinkenden Autos mehr in der Stadt. Kohle- und Atomkraftwerke schaffen wir gleich mit ab. Noch schöner. Aber hat schon mal jemand ausgerechnet, wie dicht die Windräder stehen müssen, wenn alle mit Windstrom fahren? Wie ist die Energiebilanz von Elektroautos, wenn man Energie und Rohstoffe mit einrechnet, die zur Herstellung, zur Montage und zum Betrieb der Windräder und für die regelmäßige Erneuerung der Akkus der Elektroautos benötigt werden? Schön, es gibt noch die Solarenergie. Aber wie groß ist der „ökologische Fußabdruck“ einer Solarzelle, verglichen mit ihrer Energieausbeute, multipliziert mit dem Wirkungsgrad des Motors im Elektroauto? Und wie teuer würde Solarenergie, wenn man den armen Würstchen, die in der dritten Welt nach Seltenen Erden buddeln, einen Lohn geben müsste, von dem sie leben können?

  3. Jenenserin schreibt:

    na der ökologische Fußabdruck eines Kohle- oder Atomkraftwerkes ist sicher größer und Autos mit Verbrennungsmotor haben viel mehr Teile, sind reparaturanfälliger, dazu noch die Aufbereitung von Benzin, Diesel und deren Transport…. Es muß beim Elektromotor günstiger sein, denn i zahl ja nur 20 % beim Tanken, habe ich Strom auf dem eigenen Dach , ist das Auto noch gleichzeitig Speicher und damit haben die Konzerne auch schon wieder ein Problem.

  4. Jenenserin schreibt:

    aber zurück zu unseren grünen Katrin, ich war bei der Veranstaltung, es war kein Dialog, sprich Gespräch kamen nicht zu stande. Es gab noch einen Kollegen, der zwischen den Reihen ging und vorne Stand und wie ein Lehrer noch Erklärungen abgab. Das drüber Reden war dann. Man durfte 1 Frage stellen , bekam eine Antwort und da war der nächste dran. Rückfragen, Dialoge nicht erwünscht. Die grüne Partei hatte die Veranstaltung sehr gut im Griff. Naja, da waren meist überzeugte Grüne oder Studenten, denen kann man noch Theater vor spielen, so ner alten Frau wie mir nicht mehr.

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