Wahlkampf mit Wattebällchen

LinksLabernBisher war Die Linke im Wahlkampf immer ein Lichtblick: Klare Ansagen in einer klaren schwarz-weiß-rot-Typographie, leicht erkennbar und relativ schwurbelfrei. 2017 setzt man lieber auf eine WaldorfschulenGrundschul-Kartoffeldruck-Ästhetik in seltsamen Farben. Das soll vermutlich jung und frisch wirken, aber es fällt schwer, das ernst zu nehmen. Im Vorbeifahren (meist mit dem Fahrrad; nein, es liegt nicht an überhöhter Geschwindigkeit)) sind die Untertitel schlecht lesbar.
Ich hab da so ein Bild vor Augen:
„Mamiii, wähl die Linken, die haben sooo schöne bunte Plakate!“
„Ach guck mal, die Grünen haben so ein schönes Rosa. Gefällt dir das nicht besser?“
Wahlkampf auf Gummibärchen-Niveau.
Zudem sind die bunten Schlagworte schon von anderen besetzt: Respekt (CDU), Kinder (AfD), Gerecht (SPD) … Vielleicht soll das zeigen, dass man im allgemeinen Phrasenbrei erfolgreich angekommen ist.

LEK_Plakat
Wenigstens Kollege Ralph darf eindeutige Forderungen verkünden, ganz ohne Kartoffeldruck. Allerdings tobt da seit Jahren ein Wettbewerb der Linke-Fotografen, wer den Mann am unvorteilhaftesten in Szene setzen kann. 2013 liegt klar vorn. Durch das Verbot eines Gesichtsausdruckes zwingt man dem Manne eine staatsmännische Beliebigkeit und Biederkeit auf, die wehtut. Ralph ist ein Typ, bei dem man mit zwei Worten einen zehnminütigen Politikausbruch auslösen kann, gegen den der Eyjafjallajökull ein Witz war. Der Müllmann der Linksfraktion hat Spaß daran, die Regierung vorzuführen – zum Beispiel bei Atommüllfässern, die in der Asse verschusselt werden.
Aber wenn die Linke schon mal einen vorzeigbaren Politiker hat, dann verkauft sie ihn so, dass er das Image der lahmen Rentnerpartei nicht gefährdet, die vor allem eins braucht: eine Arschtretmaschine.

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Jena, Politik abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wahlkampf mit Wattebällchen

  1. Ein Hirte schreibt:

    Keine Ahnung, was du mit „Waldorfschulen-Kartoffeldruck-Ästhetik“ meinst; es klingt jedenfalls plakativ-negativ, als benutztest du ein Schubladen-Image zur Darstellung deiner Ablehnung. Finde ich nicht gut. Waldorf kann mehr als Kartoffeldruck und merkwürdige Farben, und davon findet sich in der aktuellen Politiklandschaft am meisten bei den Piraten wieder.

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Das war vielleicht nicht ganz fair gegenüber der Waldorfschule. Allerdings ist mein Bild von dieser Schule nachhaltig von meiner ersten Begegnung mit einem Waldorf-Lehrer geprägt. Für die Imaginata, die sich in jenem Jahr schwerpunktmäßig mit Schall und Hören beschäftigte, hatte ich ein Saiteninstrumente-Modell entworfen, mit dem man nachvollziehen konnte, wie Tonhöhen entstehen (Saitenlänge, Spannkraft, Saitendicke, Saitenmaterial …). Ich erklärte den Aufbau, worauf mich der Mann entgeistert ansah und ausrief: „Aber das ist doch alles Physik!“, und wie er „Physik“ sagte, ließ ahnen, dass er das für etwas Entsetzliches hielt, vor dem man Kinder besser schützen sollte. Einem Physiker gegenüber war das irgendwie unpädagogisch.
      Also – ich korrigiere mich, im vollen Bewusstsein, dass auch an Grundschulen mehr als Kartoffeldruck unterrichtet wird. Schließlich sollen aus den Grundschülern auch mal Physiker werden, jedenfalls teilweise.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s