Wer ist dieses Wir?

CDU_Merkel„Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ schreibt die CDU auf ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl. Ja, es ist Wahlkampf, und selbst die CDU mit ihrem Kanzler-Abo entdeckt den Wähler wieder. Sie kommt mit Plänen, die sie seit Jahrzehnten hätte umsetzen können, und tut so, als würde sie es diesmal ganz bestimmt wirklich tun.
Zum Beispiel will sie Familien entlasten – mit 25 €/mon mehr Kindergeld, einer Erhöhung des Kinderfreibetrages bei der Steuer und Baukindergeld soll Familie „kinderleichter“ werden. Das sind Maßnahmen aus dem Kapitel „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“. Denn von Steuerentlastung und Bauförderung profitieren vor allem die, die schon ganz gut dastehen. Dass das Kindergeld direkt mit HartzIV verrechnet wird und dadurch nicht ein Cent mehr bei armen Kindern ankommt, wissen wir seit Langem. Entsprechend plakatiert man dann auch mit „Respekt vor Familien“. Ich sehe da immer so ein Gangkid vor mir: „Ey, Respekt, Mann, ey. Das ist meine Mum.“ Respekt ist billig, bessere Chancen für arme Kinder kosten, etwa Geld für den Nachhilfeunterricht.
CDU_FamilienMan schlägt sich auf die Brust, weil die Reallöhne gestiegen sind. Allerdings lagen die Lohnsteigerungen von 2008 bis 2013 unter der Inflationsrate, und da war die CDU auch am Steuer. Wenn man jahrelang Reallöhne senkt, kann man dann auch mal drauflegen – am stärksten übrigens 2017 bei leitenden Angestellten über Sondervergütungen. Das heißt dann: „Wer sich anstrengt, muss mehr haben als derjenige, der dies nicht tut. CDU und CSU stehen für Leistungsfreude und Fairness.“ Deshalb ist man auch gegen Erbschafts- und Vermögenssteuern – so eine Erbschaft kann verdammt anstrengend sein.
Man möchte auch das Arbeitszeitgesetz schleifen. Acht Stunden Arbeit pro Tag und mindestens 11 Stunden Ruhezeit – das ist veraltet, genau wie der Mensch, der immer noch schlafen muss, statt 7/24 für die Firma dazusein. Die CDU nennt das: „Wir wollen gesetzliche Regelungen so ausgestalten, dass zusätzliche Flexibilität, Spielräume und Experimentierräume für Unternehmen entstehen“. Kein Wort über die Mitarbeiter. Dafür gräbt man sogar den Agenda2010-Spruch von Wolfgang Clement (SPD) aus: SOZIAL IST, WAS ARBEIT SCHAFFT. Denn Arbeit macht bekanntlich frei. Leben können muss man davon nicht.
Und weil all das so ist, frage ich mich, wer dieses „wir“ eigentlich ist, das da gut und gerne in diesem Deutschland lebt. Alle sind es mutmaßlich nicht, denn dann hätte man „alle“ schreiben können. Vielleicht meint es nur die CDU-Mitglieder, vielleicht vor allem die Parteifunktionäre und Bundestagsabgeordneten der CDU. Noch vielleichter geht es nur um Angela Merkel, die uns regieren möchte, bis sie mit den Füßen voran aus dem Kanzleramt getragen wird. Gerne. Das mit dem „gut“ ist noch verbesserungsfähig. Vielleicht sollte die CDU den Spruch abändern in „Für ein Deutschland in dem ich gerne regiere“.
CDU_Arbeit

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Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
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2 Antworten zu Wer ist dieses Wir?

  1. Weberknecht schreibt:

    Nicht unpassend wäre in diesem Beitrag gewesen, auf das Original zu verweisen: „Sozial ist…“
    https://de.wikiquote.org/wiki/Alfred_Hugenberg

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