Brüder im Geiste

AfD_btw2017_CSUEigentlich wollte ich meinen Demokratieförderungsbeitrag in diesem Jahr Campact zukommen lassen. Der Verein hat ganz wesentlich den Widerstand gegen TTIP und CETA organisiert. Die Jenaer Piraten haben mit Campact-Formularen Stimmen dagegen gesammelt. Aber die Zuneigung war einseitig.
Campact hat eine Wahlempfehltung gegen die Piraten abgegeben:
„Wer die AfD maximal schwächen will, muss Union, SPD, Linke, Grüne oder FDP wählen.“
Zwei Dinge sind klar: Merkel wird wieder Kanzlerin, und die AfD wird im nächsten Bundestag sitzen. Beides ist kein Grund zur Freude. Aber dass alle so tun, als würde es über Wohl und Wehe der Demokratie im Lande entscheiden, ob die AfD nun 8, 10 oder 13 % der Stimmen bekommt, ist absurd. Denn regieren werden andere.
Es waren SPDGrüneCDUCSUFDP, die dafür gesorgt haben, dass Millionen Deutsche von Abstiegsängsten geplagt werden, dass Altersarmut keine Seltenheit mehr ist, dass Kinder in Armut aufwachsen, Mieten durch die Decke gehen und all der Frust nach Sündenböcken schreit. In der Verachtung gegenüber dem arbeitenden Volk und der Freundlichkeit gegenüber den Reichen und noch Reicheren unterscheiden sich die Parteien, die es sicher in den Bundestag schaffen werden, kein Stück von der AfD. Einzige Ausnahme ist die Linke, und die ist in Teilen bereit, ihre Überzeugung für eine Regierungsbeteiligung zu verkaufen. Die anderen sind nicht ganz so deutschtümelig und unappetitlich wie die AfD, aber das war’s auch schon.
Selbst bei der Flüchtlingspolitik unterscheidet man sich nur in der Tonlage. Wer Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt, der betreibt das Geschäft der AfD.
Davon abgesehen ist die Flüchtlingsfrage eben nicht die alles entscheidende. Campact ruft dazu auf, Parteien zu wählen, die das Arbeitszeitgesetz schleifen wollen, in Afghanistan Krieg führen, die Agenda 2010 toll finden und sich weigern, reiche Erben ordentlich zu besteuern. Sie haben die paritätische Finanzierung der Krankenversicherung abgeschafft. Sie kürzen für die Heilige Schwarze Null die Finanzen der Kommunen zusammen und haben nie genug Geld für die Bildung. Sie haben die Flüchtlinge in den Städten und Kreisen abgeladen und kümmern sich nicht weiter darum. All das wird in den nächsten vier Jahren so weitergehen, weil sich die etablierten Parteien nur in der Farbe der Plakate unterscheiden.
Nein, es geht nicht darum, ob es zwei oder drei AfDler mehr in den Bundestag schaffen. Die Mächtigen des Landes haben keine Angst vor der AfD, die das System nicht in Frage stellt. Ob sie vor der Ramelow-Linken noch Angst haben, weiß man nicht. Es gibt Alternativen, die wirklich welche sind. Auch wenn sie es nicht in den Bundestag schaffen, sind sie ein Teil der Demokratie. Sie sind nötig, damit sich die Linke nicht noch mehr sozialdemokratisiert. Also wählt gefälligst, was ihr wollt.

Advertisements

Über Heidrun Jänchen

Physikerin, Autorin von Fantasy und Science Fiction und als Mitglied der Bevölkerung engagierte und unangepasste Bürgerin
Dieser Beitrag wurde unter Politik abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Brüder im Geiste

  1. Karsten Seel schreibt:

    Ja, leider hast du vollkommen recht. Und hast mich nebenbei überzeugt, heute doch wählen zu gehen. Danke!

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Na, dann hat es doch was gebracht. Mir hat der Wahl-o-mat vier Kleinparteien in Reihe empfohlen. Dann kam die Linke. Ich hoffe und denke, wenn da irgendwann 15 % Sonstige als Balken auftauchen, dann werden die Schlafmützen im Bundestag auch wach, denn was wäre, wenn die alternativen Weltumkrempler sich mal zusammentun?

  2. Ossiblock schreibt:

    Campact – nie gehört.
    Aber zu der unlogischen Wahlempfehlung dieses Karnevalvereins:
    Die staatstragenden Parteien, die da oben so schön benannt wurden, haben die AfD erst möglich gemacht. Und die Führungsspitzen kommen komischerweise aus diesen Parteien. Übrigens – alle kommen auch aus dem Westen.

    Gibt es eine Alternative zu der kinderlosen Frau aus Hamburg? Martina Schulz?

    Siehste. Wir haben uns prächtig amüsiert.

  3. Matcha schreibt:

    Das „Hexe, Hexe“-Spiel aus dem Mittelalter funktioniert offensichtlich auch in der heutigen Zeit tadellos. Die Fürsten und Klerikalen, die seit 40 Jahren für die Misere des Volkes verantwortlich sind, bezeichnen andere als Hexen, lassen den Pranger aufstellen, die Scheiterhaufen errichten und zu dieser Wahlparty das Volk „Hexe, Hexe“ rufen – noch bevor die Hexen dem Volk beweisen konnten, dass sie Hexen sind. Und das Volk ruft Hexe, denn wer nicht ruft, ist auch eine Hexe; der Fingerzeig der Etablierten gibt die Richtung der Meinungsbildung vor. Unter Volkes Jubel verbrennen die Benannten und die feisten Fürsten und Klerikalen leben weiter wie gehabt, das Volk bekommt die Brosamen des Hartz-IV-Überlebens und ist zufrieden, dass es die medial aufbereitete „gemeinsame Gefahr“ zusammen mit den etablierten Vordenkern bekämpfen konnte. Wahlkampf wunnebar – genießt in vollen Zügen, dass die Übelkeit „ein weiteres Mal, allerdings unter erheblichen Verlusten“ abgewendet wurde „und nun die große Front der Volksparteien den Wohlstand mehren kann“ – kurz: alles so bleibt, wie es war.

    Um seine Macht zu sichern, etabliert man einen Feind, den lässt man vom Volk per medialer Aufbereitung und somit „freier Meinungsbildung“ verbrennen – mehr braucht es nicht, um das eigene Überleben zu sichern. Die Piraten haben das erlebt, die AfD wird es wahrscheinlich erleben, außer sie gehen den Weg, den Grüne und Linke gingen, die haben sich so schnell resozialisiert, so schnell konnte man gar nicht gucken, laufen also nicht Gefahr, als Hexe gebrandmarkt zu werden. Wer über 10% kommt und somit für die Etablierten potentiell eine Gefahr darstellt, ist unter medialem Druck und wenn keine selbstbestimmte Resozialisierung einsetzt, wer also nicht ins gleiche Horn blasen möchte, bekommt die Verbrennung unter dem Jubel des Volkes.

    Tja, um die eigentlichen Verantwortlichen abzulösen, muss man mit Hexe und Teufel paktieren. Sind die Etablierten entfernt, müssen Hexe und Teufel unter die Lupe genommen werden – anders geht es nicht, um eine wirkliche Freiheit der eigenen Bestimmung als Volk zurückzubekommen. Diese Kröte müsst ihr schlucken, der Prinz kommt nur über den geküssten Frosch – ansonsten bleibt es bei: und wenn sie nicht gestorben sind, regieren sie noch heute.

    Es ist wirklich lustig zu sehen, wie einfach es ist, den deutschen Wähler hinters Licht zu führen und von den eigentlichen Problemen wegzubringen – der alte Sumpf soll schließlich weiterhin blubbern. Der gute Napoléon hatte das trefflich erkannt und das Mittelalter feiert in der heutigen Zeit medial fröhliche Urständ, nun denn – so gehet hin und kreuzigt den Zettel an der richtigen Stelle und seid froh, dass die Hexen nicht überhand nehmen konnten.

    Und um den deutschen Wahlmichel ein wenig in Schutz zu nehmen: das Polittheater der Hexenverbrennung, Vorverurteilung immer inklusive, funktioniert in jedem Land der Welt. Gruppenbildung und Ablehnung derer, die nicht zur eigenen Gruppe gehören, sind nur eine Frage der medialen Macht, denn darüber wird die Menschheit gesteuert. Fake-News-Gesetze, also die Einschränkung derer, deren Meinung man nicht hören möchte, sind ein Gradmesser dafür, wie es um die Lage des Landes wirklich bestellt ist. Ich denke da nur an die Fake News eines Herrn, der zumindest eine Weile trotzig „und sie dreht sich doch“ gerufen hat, er wurde zum Wohle des Volkes resozialisiert. Stellt euch nur vor, der hätte sich durchgesetzt und wir würden in der heutigen Zeit der Meinung sein, die Erde drehe sich um die Sonne, unfassbar – viele Jahrzehnte wissenschaftliches Elend sind uns somit erspart geblieben.

  4. Evelyn schreibt:

    Passt 🙂 Ich habe die Partei DiB gewählt! So gespannt war ich schon lange nicht mehr auf das Ergebnis der Auszählung … Geht es Dir genauso?

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Oh, die DiB war bei mir auch ganz vorn in der Liste, aber da habe ich ganz taktisch die eigene Truppe gewählt …
      Ansonsten ist das Ergebnis mehr oder minder so, wie ich erwartet hatte. Ich hätte drauf wetten sollen. Und der Campact-Aufruf hatte wohl vor allem die Wirkung, der Truppe die eifrigsten Unterstützer zu entziehen. An Platz 3 für die AfD hat er nichts geändert. Das freut mich nicht, aber so isses nun mal.

      • Evelyn schreibt:

        Meine erste Stimme hat ein Kandidat von den Linken … Ich hoffe, die DiB kommt schon mal über 0,5 %, um in die Parteienfinanzierung zu rutschen. Toll ist doch, dass die Linke die Grünen abgehängt hat. Und bei der AfD freue ich mich aufs sich lächerlich machen. Außerdem musste in diesem Zuge an Prügeleien in anderen Parlamenten denken. War da nicht mal was in der Knesset? … Okay, nun stehen die Landtagswahlen ins Haus.

  5. Inge schreibt:

    Liebe Heidrun,
    nimm’s mir nicht übel, aber Dein Beitrag hat mich verdammt an das Wahlprogramm der AfD erinnert: Die etablierten Parteien sind an allem Unglück schuld, und deshalb muss mal jemand her, der alles gründlich umkrempelt. Die AfD verspricht, die Zeit zurückzudrehen, denn bekanntlich war früher alles besser; die Piraten versprechen, dass man unbeobachtet auf dem Klo im Netz surfen darf – eine sinnvolle Lösung der gravierenden Probleme unserer Zeit ist beides nicht. Das Problem ist doch, dass nicht Regierung und Parteien die Macht und das Sagen haben, sondern, wie olle Marx schon lehrte, das Kapital, und die Regierungen sind nur dazu da, den Kapitalismus am Laufen zu halten und – speziell mit Wahlen – den Eindruck zu erwecken, das Volk habe was zu melden. Was ihnen zugegebenermaßen in letzter Zeit immer schlechter gelungen ist. Nötig wären unpopuläre Maßnahmen, die effektiv zur Rettung der natürlichen Ressourcen und zu einer halbwegs gerechten Umverteilung des Reichtums beitragen, aber mit unpopulären Maßnahmen kannste das Wahlvolk natürlich nicht überzeugen…

    • Heidrun Jänchen schreibt:

      Ein Argument wird nicht dadurch schlecht, dass die AfD es bringt. Wenn sie sagen, dass 2+2 gleich 4 ist – dann ändert sich die Mathematik nicht.
      Eine revolutionäre Situation haben wir offensichtlich nicht, aber Missstände schon. Selbst der Kapitalismus geht anders. Da muss man nicht einmal das Paradebeispiel Skandinavien anführen. Die alte BRD reicht bereits. In den letzten 25 Jahren wurde der Spitzensteuersatz drastisch gesenkt, die Vermögenssteuer abgeschafft, die Armen mit HartzIV gestraft … Ein Blick ins Großspendenverzeichnis des Bundestages zeigt, dass CDU/CSU und FDP die Parteien der Großkonzerne sind, aber auch SPD und Grüne gern das Geld der Lobbyisten nehmen. Die AfD hat die Spenden in einen dubiosen Wahlunterstützungsverein ausgelagert, damit keiner erfährt, wer sie finanziert (ein Fall für Ermittlungen, die bereits laufen).
      Ein ausgewachsenes Wahlprogramm auf ein einzelnes Plakat zum Schutz der Privatsphäre zu verkürzen, ist auch nicht ganz fair. Der „Ich hab was gegen Filz“-Hund der Piraten war ja auch kein Appell für mehr Hundefriseure, sondern z. B. Transparenz bei der Parteienfinanzierung. Damit man weiß, dass man eigentlich den Arbeitgeberverband Gesamtmetall, BMW oder Audi wählt …

      • Inge schreibt:

        Das war natürlich als Provokation gemeint. Aber ich finde das Gewetter gegen die etablierten Parteien wenig zielführend, wenn es außer der AfD keine ernstzunehmende Alternative gibt. Ich bin jedenfalls froh, dass meine Stimme nicht unter den insgesamt 5% für die drei Dutzend anderen Parteien gelandet ist…

  6. Evelyn schreibt:

    Ups, das Kapital, die Konzerne und Lobbyisten … klar doch … trotzdem ist Demokratie noch was anderes als Faschismus. Deshalb: gegen Fake-News und für Mitbestimmung will sich dieses Portal platzieren, wozu noch finanzielle Unterstützung gesucht wird
    https://www.startnext.com/democracy

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s